Ich und meine Fledermaus
Fliegen nur bei Nachtzeit aus

änderte und ein frommes Liedlein machte, darin ich mein Glück lobte, weil es mir auf so manchen guten Abend auch so freudereiche Tage verliehe, in denen ich in meiner Liebsten Gegenwart meine Augen weiden und mein Herz um etwas erquicken könnte, hingegen beklagte ich meine Nächte. Ich sang es meiner Liebsten mit andächtigem Seufzen und einer lustreizenden Melodei, dabei die Laute das Ihre trefflich tät und gleichsam die Jungfer mit mir bat, sie wollte doch cooperieren, daß mir die Nächte so glücklich als die Täge bekommen möchten. Aber ich bekam ziemlich abschlägige Antwort, dann sie war trefflich klug und konnte mich auf meine Erfindungen gar höflich beschlagen. Ich nahm mich gleichwohl in Acht, von der Verehelichung zu schweigen, und wenn schon discursweis davon geredet ward, stellete ich alle meine Worte auf Schrauben. Welches meiner Jungfrau verheiratete Schwester bald merkte und dahero mir und meinem Mägdlein alle Pässe verlegte, dann sie sahe wohl, daß mich ihre Schwester von Herzen liebete und daß die Sache in die Länge kein Guttun würde.

Es ist unnötig alle Torheiten meiner Löffelei umständlich zu erzählen. Genug, zuletzt kam es dahin, daß ich erstlich mein liebes Dingelgen zu küssen und endlich auch andre Narrenpossen zu tun mich erkühnen dorfte. Und solchen erwünschten Fortgang verfolgte ich mit allerhand Reizungen, bis ich bei Nacht von meiner Liebsten eingelassen ward und mich so hübsch zu ihr ins Bette fügte, als wann ich zu ihr gehöret hätte.

Weil jedermann weiß, wie es bei derlei Kirchweih pfleget gemeiniglich herzugehen, so dörfte sich wohl der Leser einbilden, ich hätte etwas Ungebührliches begangen. Jawohl nein! Dann alle meine Gedanken waren umsonst. Ich fand einen solchen Widerstand, dergleichen ich nimmermehr bei keinem Weibsbild anzutreffen gewähnet hätte, weil ihr Absehen einzig und allein auf Ehre und Ehestand gerichtet war. Wenngleich ich ihr solchen mit den allergrausamsten Flüchen versprach, so wollte sie doch vor der Copulation kurzum nichts geschehen lassen. Doch gönnete sie mir auf ihrem Bette neben ihr liegen zu bleiben, auf welchem ich auch ganz ermüdet vor Unmut sanft einschlummerte.

Ich ward aber gar ungestüm aufgeweckt. Dann morgens um vier Uhr stund der Obrist-Leutenant vorm Bette mit einer Pistole in der einen und einer Fackel in der andern Hand.

»Krabat,« schrie er überlaut seinem Diener zu, der auch mit einem bloßen Säbel bei ihm stund, »geschwind, Krabat, hole den Pfaffen!«

Wovon ich dann erwachte.

O weh, gedachte ich, du sollst gewiß zuvor beichten, eh er dir den Rest gibet! Es ward mir ganz grün und gelb vor den Augen und ich wußte nicht, ob ich sie recht auftun sollte oder nicht.

»Du leichtfertiger Geselle,« schrie er mich an, »soll ich dich finden, daß du mein Haus schändest! Tät ich dir unrecht, wenn ich dir und dieser Vettel den Hals bräche? Ach, du Bestia, wie kann ich mich doch nur enthalten, daß ich dir nicht das Herz aus dem Leib herausreiße und den Hunden vorwerfe!«

Dabei biß er die Zähne zusammen und verkehrte die Augen als wie ein unsinnig Tier.