Simplicius antwortet: »Die Kunst kan ich wol selber, aber wann du wilt, so lasse sehen, was du kanst!«
Hierauf wischte Springinsfeld mit seiner Geige herfür und fieng an zu agirn und zugleich darunter zu geigen. Er machte ein Maul von 3, 4, 5, 6, ja 7 Ecken, und indem er giege[320], musicirte er auch mit dem Maul darunter, wie er zuvor im Wirthshause gethan hatte. Da aber die Geige, als welche in der Wärme gestimmt worden, kein gut in der Kälte mehr thun wolte, übte er allerhand Thierer Geschrei, von dem lieblichen Waldgesang der Nachtigallen an bis auf das forchterlich Geheul der Wölfe, beides inclusive, warvon wir dann ehender als in einer halben Viertelstund einen Umstand bekamen von mehr als 600 Menschen, die vor Verwunderung Maul und Augen aufsperrten und der Kälte vergaßen.
Simplicius befahl dem Springinsfeld zu schweigen, damit auch er dem Volk sein Meinung vorbringen könte. Als diß geschahe, sagte Simplicius zum Umstand: »Ihr Herren, ich bin kein Schreier, kein Storger, kein Quacksalber, kein Arzt, sonder ein Künstler. Ich kan zwar nit hexen, aber meine Künste seind so wunderbarlich, daß sie von vielen vor Zauberei gehalten werden. Daß aber solches nit wahr sei, sonder alles natürlicher Weis zugehe, ist aus gegenwärtigem Buche zu ersehen, als warinnen sich genugsame glaubwürdige Urkunden und Zeugnussen dessentwegen befinden werden.«
Mit dem zog er ein Buch aus dem Sack und blättert darin herum, dem Umstand seine glaubwürdige Schein zu weisen, aber sihe, da erschienen eitel weiße Blätter. »So!« sagt er darüber, »so sehe ich wol, ich stehe da wie Butter an der Sonnen. Ach«, sagte er zum Umstand, »ist kein Gelehrter unter euch, der mir einige Buchstaben hinein blasen könte?«
Und demnach zween Stutzer zunächst bei ihm stunden, bat er den einen, er solte ihm nur ein wenig ins Buch blasen, mit Versicherung, daß es ihm weder an seinen Ehren noch an seiner Seligkeit nichts schaden würde. Da derselbe solches gethan, blättert Simplicius im Buch herum. Da erschiene nichts anders als lauter Wehr und Waffen.
»Ha«, sagte er, »diesem Cavalier gefallen Degen und Pistolen besser als Bücher und Buchstaben; er wird ehender einen braven Soldaten als ein Doctor abgeben. Aber was soll mir das Gewehr in meinem Buch? Es muß wieder hinaus.«
Und mit dem bliese Simplicius selbst an das Buch, gleichsam als wann er dardurch geblasen, und wiese darauf dem Umstand wiederum im Umblättern nur weiße Blätter, warüber sich jedermann verwunderte. Der ander Stutzer, der neben erstgedachtem stunde, begehrte von sich selbst, auch in das Buch zu blasen. Als selbiges geschehen, blättert Simplicius im Buche herum und wiese dem Stutzer und Umstand eitel Cavaliers und Dames.
»Sehet«, sagte er, »dieser Cavalier löffelt gern, dann er hat mir lauter junge Gesellen und Jungfern in mein Buch geblasen. Was soll mir aber so viel müßige Bursch? Es seind fressende Pfänder, die mir nichts taugen; sie müssen wieder fort.«
Und alsdann bliese er wieder durch das Buch und zeigte allem Umstand im Umblättern eitel Weißes. Diesem nach ließe Simplicius einen ansehenlichen Burger hineinblasen, aus dessen Ansehen ein großes Vermögen zu vermuthen war, hernach umblättert er das Buch und wiese ihm und dem Umstand lauter Thaler und Ducaten, sagende: »Dieser Herr hat entweder viel Geld, oder wird bald viel bekommen, oder wünscht doch aufs wenigst ein ziemliche Summa zu haben. Das, was er herein geblasen, wird mein sein.«