»Bei diesem Corpo genosse ich des Pappenheimers Glückseligkeit, der nach diesem glücklichen Streich in Westphalen herum fuhr wie eine Windsbraut, und das war ein Leben vor mich, dergleichen ich mir vorlängst eins gewünscht hatte. Als er die Städte Lemgau[388], Herfort, Bielefeld und andere um Geld schätzte, bestahl ich hingegen da und dort die Dörfer und Bauren auf dem Land. Als wir aber Paderborn einnahmen, setzte es bei mir zwar keine Beut, aber da wir den Bannier mit seinen vier Regimentern überfielen und Herzog Georg von Lüneburg putzten, folgte das Glück meiner gewohnlichen Verwogenheit und schaffte mir desto mehr Raubs. Vor Stade, alwo wir den schwedischen General Todt hinweg schlugen und es allerdings machten wie hiebevor zu Magdeburg, bekam ich einen Rittmeister gefangen und mit demselbigen ein göldene Kette von 300 Ducaten. Darneben brachten ich und mein Knecht so viel Pferde zusammen, daß ich mich gar wol vor einen Roßhändler hätte ausgeben dörfen; und dieweil sich mein Geld und Glück zugleich mit vermehrte, fieng ich an zu gedenken, ob ich nicht auch ein Officier abgeben würde.«

»Nirgendhin gelangten wir, da wir nit siegten und Ehr einlegten, außer daß wir die Holländer aus ihren Schanzen vor Mastricht nit schlagen konten. Den Hessen und den Bavadis[389] berupften wir gleichsam wie wir wolten, und den Lüneburger, der Wolfenbüttel einzunehmen sich bemühete, lehreten wir einen Sprung, daß er sich selbst unter das braunschweigische Geschütz in Schutz geben müste. Nachdem wir aber Hildesheim bezwungen, eilete unser Pappenheimer zu dem Wallensteiner und künftiger Schlacht vor Lützen wie zu einer Hochzeit, in welcher aber beiderseits allertapferste Helden und berühmteste Generalen ihrer Zeit gleichsam mitten in ihrem Glückslauf anstatt der Lorberkränze mit Myrrhen und Rauten[390] bekrönet worden.«

»Nachdem nun daselbsten der große Gustavus Adolphus und unser berühmte Pappenheimer, beide ritterlich streitend, ihr Leben zu einer Zeit in einem Flügel gelassen, wie dann der Graf kaum eine viertel oder halbe Stund länger als der König gelebt haben soll, sihe, da erhub sich ererst die wüthende Grausamkeit beiderseits fechtender Soldaten. Jedwedere Seite stund vor sich selbst so fest als eine unbewegliche Maur, und was von der Battalia todt niederfiele, machte mit den entseeleten Körpern seiner standhaften Partei eine Brustwehr biß an den Nabel; gleichsam als wann selbige Wahlstatt, um willen[391] sie mit zweier so tapferer Helden martialischen Blut angefeuchtet worden, eine sonderbare Kraft und Würkung empfangen, beides die auf sich habende Todte und Lebendige zu demjenigen anzufrischen und zu entzünden, was ein rechtschaffner Soldat in dergleichen Occasionen zu leisten schuldig, maßen beide Theil in solcher Beständigkeit verharreten, biß die stockfinstere Nacht den übrig verbliebenen abgematten Rest selbiger streitbaren Kriegsheer von einander sonderte.«

»Wir giengen noch dieselbige Nacht gegen Leipzig und folgends in Böhmen, wie die Flüchtige, unangesehen unser Gegentheil die Kräfte nit hatte, uns zu jagen; und da ichs beim Liecht besahe, wurde ich gewahr, daß ich in der Schlacht meinen Knecht und bei der Bagage meinen Jungen samt allem, was ich vermocht[392], verloren. Den letztern Schaden zwar hatten mir unsere eigne Völker zugefügt, und demnach solches auch andern mehr widerfahren, als seind von den Thätern auch viel aufgeknüpft worden; wordurch ich gleichwol das Meinig nit wieder bekam.«

»Diese Schlacht und darin erlittener Verlust war nur der Anfang und gleichsam nur ein Omen oder Präludium desjenigen Unglücks, das noch länger bei mir continuiren solte; dann nachdem mich die Altringische erkanten, muste ich wieder unter demjenigen Regiment ein Dragoner sein, worunter ich mich anfänglich vor einen unterhalten lassen; und solcher Gestalt hatte nicht allein meine Freireuterschaft ein End, sonder weil ich auch alles verloren außer dem, was ich am Leib darvon gebracht, so war auch die Hoffnung pritsch[393], ein Officier zu werden.«

»In diesem Stand hab ich wie ein redlicher Soldat Memmingen und Kempten einnehmen und den Schwedischen Forbus[394] striegeln helfen, in allen diesen dreien Occasionen aber kein andere Beut als die Pest an Hals bekommen, und zwar allererst als wir mit dem Wallenstein in Sachsen und Schlesien gangen. Unserer zween von meiner Compagnie verblieben an dieser abscheulichen Krankheit zuruck, leisteten einander auch in unserm Ellend getreue Gesellschaft. Wann ich die erbärmliche Zufäll betrachte, denen ein Soldat unterworfen, so gibt mich Wunder, daß dem einen und andern der Lust in Krieg zu ziehen nit vergehet. Aber viel ein mehrers verwundert mich, wann ich sehe, daß alte Soldaten, die allerhand Unglück, Leiden und Noth ausgestanden, viel erfahren und zum öftern ihrem Verderben kümmerlich entronnen, dannoch den Krieg nicht quittiren, es seie dann, daß er selbst ein Loch gewinne[395], oder ihre Personen nichts mehr taugen, ferners in demselbigen fortzukommen und auszuharren. Nicht weiß ich, was vor eine Art einer sonderbaren unbesonnenen Unsinnigkeit uns behaftet; schätze wol, es seie ein Art derjenigen Thorheit, damit sich die Hofleute schleppen, welche dem Hofleben, darwider sie doch täglich murren, nicht ehender resigniren, als biß sie solches mit ihres Prinzen Ungnad aufgeben müssen, sie wollen oder wollen nicht.«

»Wir verharreten in einem Städtlein, welches auch mit unserer Contagion behaftet war, und zwar bei einem Barbierer, der unsers Gelds gleichwie wir seiner Arzneimittel bedörftig, wiewol beide Theil desjenigen, so das ander mangelte, wenig übrig hatte, dann der Barbierer war arm und wir waren nicht reich; derowegen muste meine göldene Kette, die ich hiebevor vor Stade erwischt, täglich ein Gleich[396] nach dem andern hergeben, biß wir wieder gesund wurden. Und als wir wieder zu reuten getrauten, machten wir sich auf den Weg, uns durch Mähren in Oesterreich zu begeben, alwo unser Regiment gute Winterquartier genosse.«

»Aber sihe, kein Unglück allein, wann es anfangt zu wüthen. Wir beide Schwache und noch halb Kranke wurden von einer Rott Räuber, die wir mehr vor Bauren als Soldaten hielten, angegriffen, abgesetzt[397], biß auf die nackende Haut ausgezogen und noch darzu mit Stößen übel tractirt, und konten schwerlich unser eigen Leben und vor unsere Kleider etwas von ihren alten Lumpen von ihnen erhalten, uns vor der damaligen grausamen Winterskälte zu beschützen, welches aber nicht viel mehrers thät, als wann wir uns in zerrissene Fischergarn bekleidet gehabt hätten, weil gleichsam Stein und Bein zusammen gefroren war. Ich hatte noch etliche Gleich von meiner göldenen Kette verschluckt: darauf bestund all mein übriger Trost und Hoffnung; aber ich glaub, daß ihnen der Teufel gesagt haben muß, dann sie behielten uns 2 Tag bei ihnen, biß sie solche alle aus dem Excrement bekommen, und muste ichs noch vor einen großen Gewinn halten, daß sie mir den Bauch nicht aufgeschnitten, anstatt daß sie uns endlich wieder lebendig von sich ließen. In solchem ellenden Zustand, da uns zugleich Geld, Kleider, Gewehr, Gesundheit und bequem Wetter zu unserer Reis mangelte, bewegten wir kaum etliche Leute, daß sie uns mit Nachtherberg und einem Stück Brod zu Hülf kamen, und war uns trefflich gesund, daß ich wie mein Camerad kein Niemezy[398] oder Niemey gewesen, der die slavonische Sprach nicht gekönt, sintemalen ich durch solches Parlaren[399] vom mährischen Landmann beides Essensspeis und alte Kleider erbettelte, damit wir sich, ob zwar nit ansehenlicher ziert[400], jedoch dicker wider die grimmige Winterskälte bewaffneten. Also armselig haben wir Mähren allgemach durchkrochen, viel Ellend erlitten und von dem Bauersmann, der dem Soldaten niemals hold wird, mehr spitzige Schmachreden als willige Steur und Almosen eingenommen.«


Fußnoten: