[398] Niemezy, Deutscher.

[399] Parlaren, Sprechen.

[400] ziert, geziert.


Das fünfzehnte Capitel.

Wie heroisch sich Springinsfeld in der Schlacht vor Nördlingen gehalten.

»Zu[401] unserer Hinkunft zu unserem Regiment wurden wir wieder beritten gemacht und montirt, der Wallensteiner aber zu Eger umgebracht, weil er, wie man sagte, mit der ganzen Armada zum Gegentheil übergehen, das Erzhaus Oesterreich vertilgen und sich selbst zum König in Böhmen machen wollen. Hierdurch wurde zwar diß hochlöblich erzfürstlich Haus errettet, aber zugleich auch das kaiserlich Kriegsheer, dessen Obriste zum Theil um der verfluchten Wallensteinischen Zusammenverschwörung halber vor verdächtig gehalten werden wolten, zum Gebrauch vor untüchtig geschätzt, weil man ihre Treu zuvor probieren muste. Und eben deswegen musten wir auf ein neues dem Kaiser wiederum schwören; aber dieser Verzug verursachte, daß es liederlich um den kaiserlichen Krieg anfieng zu stehen, maßen die schwedische Generalen da und dort mit Einnehmung unterschiedlicher Städte gewaltig um sich griffen, biß endlich der unüberwindlichste dritte Ferdinand, damaliger ungar- und böheimischer König, die Waffen selbst ergriffen. Dieser mustert uns und führte uns bei 60000 stark samt einer unvergleichlichen Artigleria in Bairn vor Regenspurg, welche Stadt ich hiebevor, nachdem ich mich von der Courage scheiden lassen müssen, mit List einnehmen helfen, von dannen ich mit meinem General, dem Altringer, und Joan de Werdt denen Schwedischen unter Gustav Horn entgegen commandirt worden; da es dann sonderlich zu Landshut auf der Brücke ziemlich heiß hergienge, alwo mir nicht allein mein Pferd unterm Leib, sonder auch (an welchem ein Mehrers gelegen) besagter unser rechtschaffene General von Altringen todt geschossen wurde.«

»Nachdem nun Regenspurg und Donawerth an uns übergangen und sich der hispanische Ferdinandus, Cardinal Infant, mit uns völlig conjungirt, zogen wir auf das Ries[402] und belägerten Nördlingen. Damals war ich ein unberittener und auch sonst (weil ich die Winterquartier schlecht genossen, ein Krankheit ausgestanden und lang nichts Beuthaftiges erschnappt hatte) Vermögens halber ein fast armer Schelm, so gar, daß man meiner auch nicht achtete noch mich irgendhin commandirte, als die Schweden kamen, die belägerte Stadt zu entsetzen. Indem es aber hierüber zu einem fast blutigen Treffen geriethe, gedachte ich auch eine Beut zu holen oder das Leben darüber zu verlieren, dann ich wolte viel lieber todt als ein solcher Bärnhäuter sein, der nur dastehet und zusihet, wie tapfer andere ehrlich und wol montirte Soldaten sich um den Barchet jagen[403]. Und demnach mirs gleich golte, ob Kaiser oder Schwed siegen wurde, wann ich nur mein Theil auch darvon kriegte, sihe, so mischte ich mich ganz ohne Waffen ins Gedräng, als die Victori noch in der Wag stunde und der meiste Theil der Kriegsheer mit Rauch und Staub bedeckt war. Gleich hierauf kehrte die schwedische Reuterei der Battalia den Rucken, weil sie sahen, daß ihr Sach allerdings verloren. Nachdem sie aber vom Lothringer, Joan de Werth, den Ungern und Croaten wieder zuruck gejagt wurden über eben denjenigen Ort, da ich mich befande, des Willens, in Eil die da und dort liegende Todte zu besuchen und zu plündern, wird[404] ich gezwungen niederzufallen und mich denjenigen gleich zu stellen, die ich zu berauben im Sinn hatte. Das thät ich etlichmal, biß beiderseits einander jagende Troupen den Ort passirt, quittirt und den Todten und noch halb Lebenden, deren sie abermal daselbst ziemlich sitzen ließen, allein überlassen.«

»Ich hatte mich kaum wieder aufgerichtet, als mir ein ansehenlicher wolmontirter Officier, der dort lag, sein Pferd beim Zaum hielte und den einen Schenkel entzwei geschossen, den andern aber noch im Stegreif stecken hatte, mir um Hülf zuschrie, weil er ihm selbst nicht helfen könte.«