»Dann wir fanden gleichsam ein volles Land und unter dem Lamboy ein solche Armatur, die wir leicht übermeisterten und von der Kemper Landwehr, ja gar aus dem Feld hinweg schlugen. Diesem Sieg folgten Neuß, Kempen und andere Oerter mehr ohne die gute Quartier, die wir genossen, und ohne die gute Beuten, die hin und wieder gemacht wurden. Doch wurde ich armer Tropf gleichwol anfangs nicht reich darbei, weil ich unter meiner Musquete gemeiniglich bei der Compagni verbleiben muste. Demnach wir aber Gülch[414] plünderten und mit den Leuten auf dem Land sowol im Erzstift Cöln als Herzogthum Gülch unsers Gefallens procedirn dörften, erschunde ich so viel Gelds zusammen, daß ich mich wieder von der Musquete los zu kaufen und mich zu Pferd zu montirn getraute.«

»Solches setzte ich ins Werk, da es beinahe selbiger Orten schon ausgemauset war, da wir nämlich Lechnich[415] vergeblich zur Uebergab ängstigten, und uns nicht nur die Kurbaierische, die bei Zons[416] lagen, sonder auch die Spanische ans Leder wolten. Dannenhero schlupfte Guebrian den Kopf aus der Schlinge, quittirte den Rheinstrom und führte uns durch den Thüringer Wald in Franken, alwo wir wiederum zu rauben, zu plündern, zu stehlen und gleichwol nichts zu fechten gefunden, biß wir in das Würtenbergische kommen, da uns zwar Jean de Werd nächtlicher Zeit ohnweit Schorndorf[417] in die Haar gerathen und einen Biß versetzt, aber gleichwol das Fell nicht grob zerrissen. Aber wer kein Glück hat, der fällt die Nas ab, wann er gleich auf den Rucken zu liegen kommt, dann ich wurde kurz hernach von dem Obristleutenant von Kürnried, welchen die gemeine Bursch den Kirbereuter[418] zu nennen pflegten, auf einer Partei gefangen und zu Hechingen, wo damals das baierische Hauptquartier war, wiederum demjenigen Regiment Dragoner zugestellt, darunter ich anfänglich gedienet.«

»Also wurde ich wieder ein Dragoner, aber nur zu Fuß, weil ich noch kein Pferd vermochte. Wir lagen damals zu Balingen[419] und widerfuhre mir ein Poß um selbige Zeit, welcher zwar von keiner Importanz, gleichwol aber so seltzam, verwunderlich und mir so eine schlechte Kurzweil gewesen, daß ich ihn erzählen muß; ohnangesehen ihrer viel, denen der damalige ellende Stand des ruinirten Teutschlandes unbekant, mir solches nicht glauben werden.«

»Demnach unser Commendant in Balingen Kundschaft bekommen, daß die Weimarische unter Reinholden von Rose 1200 Pferd stark ausgangen, uns aufzuheben, gedachte er solches an Ort und End zu notificirn, von dannen succurirt werden könte. Weil ich dann, wie obgemeldet, noch ohnberitten, zumalen mir Weg und Steg wol bekant, auch meine Person so beschaffen war, daß man mir kecklich zutrauen konte, ich würde die Sach wol ausrichten, als wurde ich in Baurenkleidern mit einem Schreiben nach Villingen[420] geschickt, von dieser obhandenen Rosischen Cavalcada Nachricht dorthin zu bringen; und golte gleich, ob ich vom Gegentheil unterwegs gefangen würde oder nicht, dann wann solches geschehen wäre, so hätte der Feind erfahren, daß sein Anschlag entdeckt gewesen, und derowegen solchen wieder eingestellt. Aber ich kam glücklich durch und ließe mich auch gegen Abend wieder abfertigen, um die Nacht über wieder auf Balingen zu kommen. Als ich nun durch ein Dorf passirte, darinnen keine Mäus, geschweige Katzen, Hund und ander Vieh, viel weniger Menschen sich befunden, sahe ich gegen mir einen großen Wolf avanziren, welcher recta mit aufgesperrtem Rachen auf mich zugieng. Ich erschrak, wie leicht zu gedenken, weil ich kein ander Gewehr als einen Stecken bei mir hatte, retirirte mich derowegen in das nächste Haus und hätte die Thür hinter mir gern zugeschlagen, wann es nur eine gehabt, aber es mangelte deren sowol als der Fenster und des Stubenofens. Ich gedachte wol nit, daß mir der Wolf in das Haus nachfolgen würde, aber er war so unverschamt, daß er den Ort nicht respectirte, der zur menschlichen Wohnung gewidmet worden, sonder zottelte in einem reputirlichen Wolfgang fein allgemach hernach; dannenhero ich nothwendig mein Refugium die erste und andre Stiege hinauf nehmen muste. Und weil mich der Wolf sehen ließe, daß er auch Stiegen steigen konte so wol als ich, wurde ich gezwungen, mich in aller Eil, welches zwar kümmerlich und mit großer Noth geschahe, durch ein Tageloch hinauf auf das Dach zu begeben. Da muste ich eilends die Ziegel rucken und zerbrechen, um mich auf den Latten zu behelfen, auf welchen ich je länger je höher hinauf kletterte. Und als ich mich hoch genug daroben und also vor dem Wolf in Sicherheit zu sein befande, öffnete ich im Dach ein größere Lucken, um dardurch zu sehen, wann der Wolf die Stiege wieder hinab spazieren, oder was er sonsten thun wolte.«

»Da ich nun hinunter schauete, sihe, da hatte er noch mehr Cameraden bei sich, welche mich ansahen und sich mit Geberden stelleten, als ob sie einen Anschlag zu erstimmen[421] begriffen, wie sie mir beikommen möchten. Ich hingegen chargirte mit halben und ganzen Zieglen auf sie hinunter, konte aber durch die Latten weder gewisse noch satte[422] oder starke Würf thun; und wann ich gleich den einen oder andern auf den Pelz traf, so bekümmerten sie sich doch nichts darum, sonder behielten mich also belägert oder bloquirt. Indessen ruckte die stockfinstere Nacht herbei, welche mich, so lang sie unsern Horizont bedeckte, mit scharfen durchschneidenden Winden und untermischten Schneeflocken gar unfreundlich tractirte, dann es war im Anfang des Novembri und dannenhero ziemlich kalt Wetter, so daß ich mich kümmerlich dieselbe winterlange Nacht auf dem Dach behelfen konte. Ueberdas fiengen die Wölfe nach Mitternacht eine solche erschröckliche Music an, daß ich vermeinte, ich müste von ihrem grausamen Geheul übers Dach herunter fallen. In Summa, es ist unmüglich zu glauben, was vor eine ellende Nacht ich damals überstanden. Und eben um solcher äußersten Noth willen, darin ich stak, fienge ich an zu bedenken, in was vor einem jämmerlichen Zustand die trostlose Verdammte in der Höllen sich befinden müsten, bei denen ihr Leiden ewig währet, welche nit nur bei etlichen Wölfen, sondern bei den schröcklichen Teufeln selbsten, nicht nur auf einem Dach, sonder gar in der Höllen, nicht nur in gemeiner Kälte, sonder in ewig brennendem Feur, nicht nur eine Nacht, in Hoffnung erlöst zu werden, sonder ewig, ewig gequält würden. Diese Nacht war mir länger als sonst vier, so gar daß ich auch sorgte, es würde nimmermehr wieder Tag werden, dann ich hörete weder Hahnen krähen noch die Uhr schlagen und saße so unsanft und erfroren dorten im rauhen Luft, daß ich gegen Tag all Augenblick vermeinte, ich müste herunter fallen.«


Fußnoten:

[406] Erhaltung, Gewinnung: nachdem die Schlacht gewonnen war.

[407] Fickmühle, Zwickmühle, Stellung der Steine im Mühlenspiel, wo beim Aufziehen der Mühle eine andere geschlossen wird.

[408] Jacobiner, englische Goldkronen.