[435] Jankau, oder Jankow, Dorf in Böhmen. Mit diesem Treffen endete die Kriegslaufbahn des Simplicissimus.

[436] Nagolt, in Würtemberg, Schwarzwaldkreis, an der Nagold in einem tiefen Thal gelegen.


Das neunzehnte Capitel.

Springinsfelds fernere Historia biß auf das bairische Armistitium.

»Die Früchte dieser erhaltenen ansehenlichen Victori waren ohne die Beuten und die Gefangene nichts anders, als daß unsere Armee biß an die niederhessische Grenze hinunter gieng und Amöneburg[437] entsetzte, vor Kirchhain[438] sich vergeblich bemühete und dardurch in ein Wespennest stache, das ist, daß sie den Touraine sich mit den Hessen zu conjungirn verursachte; wessentwegen sie dann den Ruckweg wieder dahin nehmen muste, woher sie kommen war. Ich lag damals im Taubergrund[439] mit andern Beschädigten mehr und ließe mich an meiner empfangenen Wunden curirn. Aber als sich unsere Armee mit einem Succurs von ungefähr fünfthalb tausend Mann, den ihr der Graf von Geleen[440] zugebracht, nach Heilbrunn zohe und selbige Stadt mit Völkern unter dem Obristen Fugger, Obristen Caspar und meinem Obristen verstärkte, muste ich auch dort liegen bleiben.«

»Indessen giengen die conjungirte hessische, Tourennische und Königsmarkische Völker in die unter Pfalz, nahmen den Duc d'Anguin zu sich und marschierten den Necker hinauf, uns und die Unserige zu erfolgen.[441] Zwar ließen sie uns zu Heilbrunn wol liegen, aber Wimpfen wurde ihr erster Raub, als welches sie beschossen, mit stürmender Hand eingenommen und auf 600 Mann von uns darinnen so gefangen bekommen als niedergemacht haben. Daselbst seind sie über den Necker an die Tauber gangen und haben sich vieler ohnbesetzten Oerter, auch der Stadt Rothenburg bemächtigt. Endlich brachten sie unser Armee zum Stand, erhielten von ihnen einen blutigen Sieg bei Allerheim[442], warbei unser tapferer General-Feldmarschall von Mercy das Leben auch eingebüßt. Folgends nahmen sie Nördlingen[443] mit Accord ein und zwangen den Obristwachtmeister von meinem Regiment, der mit 400 von unsern Dragonern und 200 Musquetierern in Dinkelspiel[444] lag, daß er sich ihnen nicht mit Accord, sonder auf Gnad und Ungnad ergehen muste. Und weilen sich diese Völker musten unterstellen[445], wurde unser Regiment mehr dardurch geschwächt, als wann es auch in dem Treffen gewesen wäre. Von dar giengen sie über Schwäbischen Hall[446] gegen uns los, weil es uns auch gelten solte, und fiengen an gegen uns zu agirn und sich zu verschanzen. So bald sie aber der Unseren Ankunft vermerkten, als welche der Erzherzog Leopold Wilhelm mit 16 kaiserischen Regimentern verstärkt hatte, sihe, da verschwanden sie wie Quecksilber oder zerstoben doch aufs wenigst von einander, als wann sie die Schlacht vor Allerheim nicht erhalten hätten. Und ich kan auch nicht sehen, was sie diese theure Victori anders genutzt, als daß sie die Unserige ein wenig geschwächt und den berühmten Mercy aus dem Weg geraumet; dann sie wurden bis nach Philipsburg[447] verfolget und verloren alle Oerter wiederum, die sie zuvor erobert hatten. Wir bekamen auch zu Wimpfen acht schöne halbe Carthaunen, ein Feldstück, ein Feurmörsel und hin und wieder viel Mannschaft von ihnen, darvon sich die Teutsche alle unterstellen und also unsere Armee wieder verstärken musten. Folgends giengen wir wieder in unserem gewöhnlichen Gäu, das ist in Franken, im anspachischen und würtenbergischen Lande in die Winterquartier, die Kaiserlichen aber in Böhmen.«

»Ehe das Jahr gar zu End liefe, marschierte der Kern unserer Armee in Böhmen zu den Kaiserlichen, der Hoffnung, denen daselbst befindlichen Schweden einen guten Streich zu versetzen. Weil es aber außer der Zeit und hierzu gar unbequem Wetter war, zumalen die Schweden auch von sich selbsten dasselbe Königreich quittirten, wurde nichts anders draus, als daß wiederum etliche Oerter von den Schweden in der Kaiserlichen Hände kommen.«

»Den folgenden Sommer aber, als das Gegentheil zwischen den Fürstenthumen des niedern und obern Hessen anfieng um sich zu greifen, seind wir auch gegen demselben mit Ernst zu Feld gangen und durch die Wetterau biß zwischen Kirchhain und Amöneburg ihme entgegen gezogen, da es zwar zu keiner Hauptaction kommen, aber gleichwol durch commandirte Völker an der Ohm ein lustig Soldaten-Exercitium gesetzt, worin ich einen Leutenant von den Hessen gefangen und ein schönes Pferd samt 60 Reichsthalern an Geld von ihm kriegte. Weil dann der Feind nicht schlagen wolte, sonder ohnweit Kirchhain in seinem verschanzten und wol proviantirten Läger verbliebe, wir aber an Fourage Mangel litten, zogen wir uns zuruck in die Wetterau. Uns folgten die Schwedische und Hessen, als die sich mit dem Tourenne conjungirt hatten. Da stunde ein Seit diß-, das ander Theil jenseit der Nidda[448] in Battalia, spielte mit Stücken zusammen[449] und sahen einander an wie zween zähnbleckende Hund, die einander ohne Vortheil nicht anfallen wollen. Endlich ließen sie uns gegen dem Camberger Grund[450] marschiern, sie aber giengen in vollen Sprüngen über den Main und der Donau zu und ließen uns das Nachsehen.«

»Unser Obrister wurde geschickt samt denen jungen Kolbischen, den vereinigten Feindsarmeen vorzukommen, um ein und anders der Unserigen Oerter zu besetzen. Und ob uns gleich Königsmark bei Schwabenhausen[451] zwackte, so seind wir jedoch noch in 800 Pferd stark in Augspurg angelangt, eben als sich die Schweden vergebliche Hoffnung gemacht, selbe Stadt in Güte einzubekommen. Gleich darauf kam der Obriste Rouyer noch mit vierthalbhundert Dragonern zu uns; worauf die Schweden uns in aller Eil belägerten und in kurzer Zeit mit Approchiren unter die Stücke auf den Graben kamen. Und ich glaube auch, sie würden uns gewaltig heiß gemacht und endlich auch die Stadt gar überkommen haben, wann sich die Unserige nicht bald darvor präsentirt hätten; als welche sich nunmehr wieder mit neuem Succurs verstärkt hatten und die Feindsvölker desto kühner von der Belägerung hinweg schröckten.«