»Warum?«

»Darum, die Courage ist wieder bei uns ankommen.«

Und zwar diese Lappen redeten nicht übel von der Sach, dann das Volk, mit dem ich kam, war ein Succurs von drei Regimentern zu Pferd und zweien zu Fuß, welches nicht zu verachten, sondern der Armada Courage genug mitgebracht, wann ich gleich nicht dabei gewesen wäre.

Meines Behalts[85] den zweiten Tag nach dieser glücklichen Conjunction geriethen die Unserige dem König von Dänemark bei Lutter in die Haar, allwo ich fürwahr nicht bei der Bagage bleiben mochte, sondern als des Feinds erste Hitze verloschen und die Unserige das Treffen wieder tapfer erneuert, mich mitten ins Gedräng mischte, wo es am allerdicksten war. Ich mochte keine geringe Kerl gefangen nehmen, sondern wolte meinem Mann gleich in der Erste[86] weisen, daß mein Zunamen an mir nicht übel angelegt wäre, noch er sich dessen zu schämen hätte, machte derowegen meinen edlen Hengst, der seines gleichen in Prag nicht gehabt, mit dem Säbel Platz, biß ich einen Rittmeister von vornehmen dänischen Geschlecht beim Kopf kriegte und aus dem Gedräng zu meinem Bagagewagen brachte. Ich und mein Pferd bekamen zwar starke Püff; wir ließen aber keinen Tropfen Blut auf der Walstatt, sondern trugen nur etliche Mäler und Beulen darvon. Weilen ich dann sahe, daß es so glücklich abgieng, machte ich mein Gewehr wieder fertig, jagte hin und holete noch einen Quartiermeister samt einem gemeinen Reuter, welche nicht ehe gewahr wurden, daß ich ein Weibsbild war, als biß ich sie zu obengedachten Rittmeister und meinen Leuten brachte. Ich besuchte[87] keinen von ihnen, weil jeder selbst sein Geld und Geldswerth heraus gab, was er hatte; vornehmlich aber ließe ich den Rittmeister fast höflich tractiren und nit anrühren, viel weniger gar ausziehen. Aber als ich mich mit Fleiß ein wenig beiseits machte, vertauschten meine Knecht mit den andern beiden ihre Kleider, weil sie trefflich wol mit Köllern mondirt waren. Ich hätte es zum dritten mal gewagt und fortgeschmiedet, dieweil das Eisen weich gewesen und die Schlacht gewähret, so mochte ich aber meinem guten Pferd nicht zu viel zumuthen. Indessen bekam mein Mann auch etwas wenigs an Beuten von denen, die sich aufs Schloß Lutter retiriert und ewiglich auf Gnad und Ungnad ergeben hatten, also daß wir beide in und nach dieser Schlacht in allem und allem aus tausend Gulden werth vom Feind erobert, welches wir gleich nach dem Treffen zugemacht und ohnverweilt per Wechsel nacher Prag zu meinen alldortigen 2000 Reichsthalern überschafft, weil wir dessen im Feld nicht bedörftig und täglich hofften, noch mehr Beuten zu machen.

Ich und mein Mann bekamen einander je länger je lieber, und schätzte sich als das eine glückselig, weil es das andere zum Ehegemahl hatte, und wann wir uns nit beide geschämt hätten, so glaub ich, ich wäre Tag und Nacht, in den Laufgräben, auf der Wacht und in allen Occasionen niemal von seiner Seiten kommen. Wir vermachten einander alles unser Vermögen, also daß das Letztlebende, wir bekämen gleich Erben oder nicht, das Verstorbene erben[88], meine Säugamme oder Mutter aber gleichwol auch ernähren solte, so lang sie lebte, als welche uns großen Fleiß und Treu bezeugte. Solche Vermächtnus hinterlegten wir, weil wirs in Duplo ausgefertigt, eine zu Prag hinter dem Senat, und die ander in meines Manns Heimath hin, Hochteutschland[89], so damals noch in seinem besten Flor stunde und von dem Kriegswesen das geringste nicht erlitten.

Nach diesem Lutterischen Treffen nahmen wir Steinbruck, Verden[90], Langenwedel, Rotenburg, Ottersberg und Hoya ein, in welchem letztgenanten Schloß Hoya mein Mann mit etlichen commandirten Völkern ohne Bagage muste liegen verbleiben. Gleichwie mich aber sonst nirgends keine Gefahr von meinem Mann behalten[91] konte, also wolte ich ihn auch auf diesem Schloß nit allein lassen, aus Furcht, die Läuse möchten mir ihn fressen, weil keine Weibsbilder da waren, so die Soldatesca gesäubert hätten. Unsere Bagage aber verblieb bei dem Regiment, welches hingieng, die Winterquartier zu genießen, bei welcher ich auch verbleiben und solchen Genuß hätte einziehen sollen.

Sobald nun solches bei angehendem Winter geschehen, und Tilly dergestalt seine Völker zertheilet, sihe, da kam der König in Dänemark mit einer Armee und wolte im Winter wieder gewinnen, was er im Sommer verloren. Er stellte sich, Verden einzunehmen; weil ihm aber die Nuß zu hart zu beißen war, ließe er selbige Stadt liegen und seinen Zorn am Schloß Hoya aus, welches er in 7 Tagen mit mehr als tausend Kanonschüssen durchlöchert, darunter auch einer meinen lieben Mann traf und mich zu einer unglückseligen Wittib machte.


Fußnoten: