[165] gering, leicht, anstellig, schlau.
[166] Widerwärtige, Gegner, Feinde.
Das einundzwanzigste Capitel.
Erzählung eines Treffens, welches im Schlaf vorgangen.
Kurz zuvor, ehe Mantua von den Unserigen eingenommen wurde, muste unser Regiment von Casal hinweg und auch in die Mantuanische Belägerung. Daselbsten liefe mir mehr Wasser auf meine Mühl als in dem vorigen Läger, dann gleich wie alldorten mehr Volk war, sonderlich Teutsche, also bekame ich auch mehr Kunden und Kundenarbeit, davon sich mein Geldhaufen wieder ein merkliches geschwinder vergrößerte, so daß ich etlichmal Wechsel nach Prag und anderswohin in die teutsche Reichsstädte übermachte, bei welcher glücklichen Prosperität, großem täglichen Gewinn und genugsamem Ueberfluß, dessen ich und mein Gesindel genossen, da sonst mancher Hunger und Mangel leiden muste, mein Springinsfeld anfienge allerdings das Junkernhandwerk zu treiben. Er wolte eine tägliche Gewohnheit daraus machen, nur zu fressen und zu saufen, zu spielen und spazieren zu gehen und zu faulenzen, und ließe allerdings die Handelschaft der Marquetenterei und die Gelegenheiten, sonsten irgends etwas zu erschnappen, ein gut Jahr haben. Ueber das hatte er auch etliche ungerathene und verschwenderische Cameraden an sich gehenkt, die ihn verführten und zu allem demjenigen untüchtig machten, worzu ich ihn zu mir genommen und auf allerlei Art und Weise abgeführet[167] hatte. »Ha«, sagten sie, »bist du ein Mann, und läst deine Hur beides über dich und das Deinige Meister sein? Es wäre noch genug, wann du ein böses Eheweib hättest, von deren du dergleichen leiden müstest. Wann ich in deinem Hemd verborgen stäke, so schlüg ich sie, biß sie mir parirte, oder jagte sie vor alle Teufel hinweg.«
Solches alles vernahm ich bei Zeiten mit großem Unwillen und Verdruß und gedacht auf Mittel und Weg, wie ich meinen Springinsfeld möchte ins Feld springen machen, ohne daß ich mich im geringsten etwas dergleichen gegen ihm oder seinem Anhang hätte vermerken lassen. Mein Gesind, darunter ich auch vier starke Tremel[168] zu Knechten hatte, war mir getreu und auf meiner Seiten; alle Officierer des Regiments waren mir nicht übel gewogen; der Obrist selbst wolte mir wol und die Obristin noch viel besser, und ich verbande mir alles noch mehrers mit Verehrungen, wo ich vermeinte, daß ich Hülf zu meinem künftigen Hauskrieg zu hoffen hätte, dessen Ankündigung ich stündlich von meinem Springinsfeld gewärtig war. Ich wuste wol, daß der Mann, welchen mir Springinsfeld aber nur pro forma repräsentiren muste, das Haupt meiner Marquetenterei darstellte, und daß ich unter dem Schatten seiner Person in meiner Handelschaft agirte, auch daß ich bald ausgemarquetentert haben würde, wann ein solches Haupt mir mangelte. Derohalben gieng ich gar behutsam; ich gab ihm täglich Geld, beides zu spielen und zu banquetieren, nicht daß ich die Beständigkeit seiner vorigen Verhaltung bestätigen wollen, sondern ihn desto kirrer, verwegener und ausgelassener gegen mir zu machen, damit er sich dardurch verplumpen und durch ein rechtschaffenes grobianisches Stückel dem Besitz meiner und des Meinigen sich unwürdig machen, mit einem Wort, daß er mir Ursach geben solte, mich von ihme zu scheiden; dann ich hatte allbereit schon so viel zusammen geschunden und verdienet, zumalen auch anderwärtshin in Sicherheit gebracht, daß ich mich weder um ihn noch die Marquetenterei, ja um den ganzen Krieg, und was ich noch darin kriegen und hinweg nehmen konte, wenig mehr bekümmerte. Aber ich weiß nicht, ob Springinsfeld das Herz nicht hatte, seinen Cameraden zu folgen, um die Oberherrschaft offentlich von mir zu begehren, oder ob er sonst in erzähltem seinem liederlichen Leben unachtsamer Weis fortfuhre, dann er stellte sich gar freundlich und demüthig und gab mir niemalen kein sauern Blick, geschweige ein böses Wort. Ich wuste sein Anliegen wol, worzu ihn seine Cameraden verhetzt hatten; ich konte aber aus seinen Werken nicht spüren, daß er etwas dergleichen wider mich zu unterstehen bedacht gewesen wäre. Doch schickte sichs endlich wunderbarlich, daß er mich offendirte, wessentwegen wir dann, es sei ihm nun gleich lieb oder leid gewesen, von einander kamen.
Ich lag einsmals neben ihm und schlief ohne alle Sorg, als er eben mit einem Rausch heimkommen war. Sihe, da schlug er mich mit der Faust von allen Kräften ins Angesicht, daß ich nicht allein darvon erwachte, sondern das Blut liefe mir auch häufig zum Maul und der Nasen heraus, und wurde mir von selbigem Streich so törmisch[169] im Kopf, daß mich noch Wunder gibt, daß er mir nit alle Zähn in Hals geschlagen. Da kan man nun wol erachten und abnehmen, was ich ihm vor eine andächtige Letenei[170] vorbetete. Ich hieße ihn einen Mörder und was mir sonst noch mehr von dergleichen ehrbaren Tituln ins Maul kommen. Er hingegen sagte: »Du Hundsfut, warum läßest du mir mein Geld nicht? Ich hab es ja redlich gewonnen!«
Und wolte noch immer mehr Stöße hergeben, also daß ich zu schaffen hatte, mich deren zu erwehren, maßen wir beede im Bette aufrecht zu sitzen kamen und gleichsam anfiengen mit einander zu ringen. Und weil er noch fort und fort Geld von mir haben wolte, gabe ich ihm eine kräftige Ohrfeigen, die ihn wieder niederlegte; ich aber wischt zum Zelt hinaus und hatte ein solches Lamentiren, daß nit nur meine Mutter und übriges Gesind, sondern auch unsere Nachbaren davon erwachten und aus ihren Hütten und Gezelten hervorkrochen, um zu sehen, was da zu thun oder sonst vorgangen wäre. Dasselbe waren lauter Personen vom Stab, als welche gemeiniglich hinter die Regimenter zu den Marquetentern logirt werden, nämlich der Caplan, Regimentsschultheiß, Regimentsquartiermeister, Proviantmeister, Profos, Henker, Hurenwaibel und dergleichen; denen erzählet ich ein langs und ein breits, und der Augenschein gab auch, wie mich mein schöner Mann ohne einige Schuld und Ursach tractirt. Mein angehender[171] milchweißer Busem war überall mit Blut besprengt, und des Springinsfelds unbarmherzige Faust hatte mein Angesicht, welches man sonst niemalen ohne lustreizende Lieblichkeiten gesehen, mit einem einzigen Streich so abscheulich zugerichtet, daß man die Courage sonst nirgends bei als an ihrer erbärmlichen Stimme kennete, ohnangesehen niemands vorhanden war, der sie anderwärts jemalen hätte klagen hören. Man fragte mich um die Ursach unserer Uneinigkeit und daraus erfolgten Schlacht. Weil ich nun allen Verlauf erzählte, vermeinte der ganze Umstand, Springinsfeld müste unsinnig worden sein; ich aber glaubte, er habe dieses Spiel aus Anstiftung seiner Cameraden und Saufbrüder angefangen, um mir erstlich hinter die Hosen, zweitens hinter die Oberherrlichkeit und letzlich hinter mein vieles Geld zu kommen. Indem wir nun so miteinander pappelten[172], und etliche Weiber umgiengen, mir das Blut zu stellen[173], grabelte Springinsfeld auch aus unserem Zelt. Er kam zu uns zum Wachtfeuer, das bei des Oberisten Bagage brante, und wuste beinahe nicht Wort genug zu ersinnen und vorzubringen, mich und jedermann wegen seines begangenen Fehlers um Verzeihung zu bitten. Es mangelte wenig, daß er nicht vor mir auf die Knie niederfiel, um Vergebung und die vorige Huld und Gnad wieder von mir zu erlangen; aber ich verstopfte die Ohren und wolte ihn weder wissen noch hören, biß endlich unser Obristleutenant von der Rund darzu kam, gegen welchen er sich erboten, einen leiblichen Eid zu schweren, daß ihm geträumt hätte, er wäre auf dem Spielplatz gesessen, allwo ihm einer um eine ziemliche Schanz[174] auf dem Spiel gestandenen Gelds unrecht thun wollen, gegen welchem er deswegen geschlagen und wider seinen Willen und Meinung seine liebe unschuldige Frau im Schlaf getroffen. Der Obristleutenant war ein Cavalier, der mich und alle Huren wie die Pest haßte, hingegen aber meinem Springinsfeld nit ohngewogen war; derowegen sagte er zu mir, ich solte mich wieder mit ihm alsobald in die Zelt packen und das Maul halten, oder er wolte mich zum Profosen setzen und wol gar, wie ich vorlängsten verdient, mit Ruthen aushauen lassen.
Potz Blech, das ist ein herber Sentenz, dieser Richter gibts[175] nicht viel! gedachte ich bei mir selber; aber es schadet nichts; bist du gleich Obristleutenant und beides vor meiner Schönheit und meinen Verehrungen schußfrei, so seind doch andere, und zwar deren mehr als einer, die sich gar gern dadurch berücken lassen, mir recht zu geben.