[Das sechsundzwanzigste Capitel.] Was die Leirerin weiters für Possen angestellt, und wie sie endlich ihren Lohn bekommen habe.
[Das siebenundzwanzigste Capitel.] Endlicher Beschluß von des Springinsfeld seltzamen Lebenslauf.
Das erste Capitel.
Was vor eine schwer verdäuliche Veranlassung den Autor zu Verfassung dieses Werkleins befördert.
Als ich verwichne Weihnachtmeß in eines vornehmen Herrn Hof mit höchst verdrießlicher Patienz, um eine Resolution zu erlangen, aufwartete, auf eine Supplication, darinnen ich gar beweglich um einen Schreiberdienst gebeten und in derselben meinen hohen Fleiß mit den allerandächtigsten Worten gerühmt, auch die Beständigkeit meiner unvergleichlichen Treu genugsam versichert hatte, gleichwol aber der gewünschte Bescheid dermaleins nicht kommen wolte, sihe, da wurde ich noch viel ungeduldiger, vornehmlich als ich sahe, daß die schmutzige Kuchen- und stinkende Stallratzen in ihrer Aestimation passirt, ich aber wie ein ungesalzener Stockfisch, den man auch keiner fernerer Versuchung würdigt, verachtet wurde. Ich hatte damals allerlei Gedanken und grillenhaftige Einfäll, und wie ich in erstgedachter Bursche höhnischen Angesichtern lesen konte, bedunkte mich, sie würden sich endlich unterfangen, mir den Hut zu drehen und den Kunzen mit mir zu spielen[219], wann ich entweder nicht bald ein angenehme Resolution kriegte oder ohne dieselbige von mir selbst darvon gienge. Bald sprach ich mir wiederum ein anders[220] zu und versichert mich selbst eines weit bessern Ausgangs.
Geduld, Geduld! sagte ich zu mir, Gut Weil will Ding haben! dann ich brachte alles das hinterst zum vördersten vor, weil ich ganz verwirret ware. Erlangstu diesen Dienst, so kanstu diesen Schindhunden diese Fachtung[221] schon eintränken.
Ich wurde aber nicht allein von diesen unerträglichen[222] innerlichen Anfechtungen, sonder auch von der damaligen grimmigen Kälte von außenhero dergestalt geplagt, daß ein jeder, der mich gesehen und die Kält nit selbst empfunden, tausend Eid geschworen hätte, ich wäre mit einem drei- oder viertägigen Fieber behaft. Das Gesind liefe hin und wieder, ohne daß sie meiner viel geachtet oder mich besprochen[223]. Als ich mich aber am allerbesten mit guter Hoffnung speisete und aufenthielte[224], da wurde ich eines holdseligen Kammerkätzchens gewahr; deren schenkte ich gleich mein Herz; dann als sie recta gegen mich gieng, konte ich mir nichts anders einbilden, als dieses wäre ein ohnzweifelbares Omen, daß ich ihr Serviteur werden würde. Das Herz hupfte mir gleichsam vor Freuden, weil mich der Wahn einer solchen künftigen Glückseligkeit versicherte. Da sie aber zu mir kam und ihr kirschenrothes Mäulchen aufthät, sagte sie: »Guter Freund, was habt ihr hier zu thun? Seid ihr vielleicht ein armer Schüler, der etwan ein Almusen begehrt?«