Es gelang mir der Herde den Weg abzuschneiden und einem starken Bock, der als letzter folgte, die Kugel zu geben. Er zeichnete auf den Schuß und flüchtete mit dem Rudel; doch folgte ich den frischen Fährten und ließ Leute zu beiden Seiten gehen. Nach beinahe einstündigem, angestrengtem Suchen wurde der Bock nicht weit vom Anschuß verendet gefunden. Mit etwas tiefem Lungenschuß hatte er sich nach zweihundert Schritten von dem Rudel getrennt und sich nach weiteren zweihundert Schritten niedergetan. Da nur wenig Schweiß in der Fährte lag, war es nicht möglich gewesen, dem angeschossenen Tiere in dem von vielen Hufen aufgewühlten Boden zu folgen.
Ich bewunderte die Farbe und den Glanz der Decke. Der Rücken ist dunkelrot, an den Seiten wird die Färbung matter bräunlich und geht unten und an der Innenseite der Läufe in reines Weiß über. Kräftige Sprunggelenke und Sehnen an den Läufen befähigen das Tier, solche Sprünge auszuführen, wie ich sie vorher sah. Die Decke liegt locker und beweglich auf der fein ausgeprägten Muskulatur. An den Hinterläufen befinden sich stark entwickelte, schwarze Haarbüschel; das Gehörn ist glänzend schwarz poliert.
Da es mittlerweile spät geworden war, schlug ich die Richtung zum Lager ein und traf auf einer Lichtung ein starkes Rudel Wasserböcke, die mich nicht bemerkt hatten. Mehrere saßen im Grase, während zwei Böcke sich gegenseitig verfolgten und dabei den Kopf wie zum Angriff senkten. Junge Swallahböcke ästen zwischen den ersten Büschen am Rande der Lichtung. Als mich die Tiere bemerkten, standen die Wasserböcke und äugten nach mir, so daß ich die schön gezeichneten Köpfe aus der Nähe sehen konnte.
Noch ein Rudel Schwarzfersenantilopen wurde flüchtig. Ich schoß zwei Böcke krank, aber es dunkelte; ich mußte die Nachsuche für heute aufgeben, band mein Taschentuch an einen Baum, verbrach den Anschuß und bezeichnete die Stellen, an denen ich das Wild aus dem Auge verloren hatte.
Als ich aus dem Walde kam, näherte sich von der andern Seite ein einzelner Neger den Lagerfeuern und wurde von den Posten angerufen. Es war ein häßlicher Mpogoro, er reichte mir einen Giftpfeil als Zeichen der Unterwerfung und kündigte das Erscheinen seiner Brüder für den nächsten Mittag an.
„Weshalb kommt ihr nicht heute?“
„Sollen wir Frauen und Kinder allein lassen? Wir müssen erst Hütten im Pori bauen“ war die Antwort.
Am Abend fiel leichter Regen; schnell machten sich alle Neger im Lager dabei, ihre Hütten, die sie am Mittag gegen die Sonnenstrahlen erbaut hatten, dicht mit Gras zu bepacken, so daß sie auch Schutz gegen den Regen boten.
Der Unteroffizier hatte einen Wasserbock geschossen, ich einen Riedbock und eine Swallah. Als wir die Strecke besichtigten, glaubten wir auf Tage hinaus verproviantiert zu sein; aber schnell verschwand das Fleisch, obwohl kein Mangel an Nahrungsmitteln war; (denn jeder hatte bei der Plünderung der Dörfer reichlich Getreide für sich auf die Seite geschafft). Der sonst oft anspruchslose Neger kann, wenn Überfluß vorhanden ist, unglaubliche Mengen vertilgen!
Den Dank für die Gewährung so reichlicher Nahrung gaben uns die Leute nach dem Mahle durch lautes, behagliches Aufstoßen zu erkennen. Das klang so viehisch, daß ich mir unwillkürlich ausmalte, welchen Eindruck es wohl machen würde, wenn Menschen das hörten, die keinen Begriff von dem Gebahren der Neger haben. Gewiß würden viele es als eine Unverschämtheit auffassen, wenn der Neger, während er mit ihnen spricht, plötzlich laut aufstößt! Wie mancher wird da mit einer handgreiflichen Antwort bereit sein! — Und der Neger würde vielleicht denken, der Europäer hält und versteht nichts von gutem Ton.