Riedböcke sind mir stets ein begehrenswertes Wild gewesen, und ich habe selten eine Gelegenheit vorüber gehen lassen, einen guten Bock zu schießen. Fleisch gebrauchte ich für meine Karawane immer; die Jagd hat einen ähnlichen Reiz, wie die Pirsch auf Rehböcke; weil man bei diesen Tieren meist die Möglichkeit hat, den Starken zu suchen; das kleine schwarze Gehörn aber wird ebenso wie Gamsgehörn und Rehkrone in Stunden der Erinnerung Gegenstand langer ästhetischer Betrachtungen. Die Ähnlichkeit des Wildes im Aussehen und Benehmen mit dem heimatlichen Rehwild ist ganz erstaunlich; wo ich jagte besonders konnte ich unter dem Eindruck der Rehbirsch stehen; denn die Riedböcke bevorzugten breite, freie Sandflächen mit wenig Gebüsch und kurzem Gras. Von weit her konnte ich die gelb-rot gefärbten Tiere wahrnehmen.

Nie habe ich mehr als sechs Riedböcke an einem Platze zusammen beobachtet, meist einen Bock und eine bis zwei Ricken allein, ähnlich, wie unsere Rehe zusammen leben. Die Riedböcke lieben die Nähe des Wassers, und man kann sicher sein, sie in Grasniederungen, die von Flüssen durchschnitten werden, zu finden. Der Riedbock ist sehr bequem; er legt keine weiten Strecken zurück und ist täglich an derselben Stelle wieder anzutreffen. Ich habe einen einzelnen Bock, den ich an der Stärke seines Gehörns kannte, mehrere Tage hintereinander an einer bestimmten Stelle angebirscht, dann nach Wochen und Monaten wieder dort gesehen.

In den Morgenstunden sieht man die Riedböcke in kurzem Grase äsen, doch tun sie sich bald im höheren Grase nieder und verzichten dabei auf Schatten. Ihre Harmlosigkeit ist sehr groß; selbst wenn sie sich aus Verdacht erhoben haben, setzen sie sich sehr bald wieder. Dies Hinsetzen gleicht mehr einem trägen Sichfallenlassen; das Bedürfnis nach Ruhe scheint ungemein stark zu sein; doch wird der Riedbock, plötzlich überrascht, schnell flüchtig. Auch dann ist er mir selten entgangen, wenn ich ihn schießen wollte. Ich hatte eine bemerkenswerte Art der Jagd herausgefunden: Während das Stück in Bewegung war, lief ich ihm nach, um es im Auge zu behalten, und an einem günstigen Platz in Anschlag zu gehen; denn der Bock bleibt sehr bald stehen, stellt sich breit und äugt zurück. Machte er aber nicht Halt, dann brachte ein Schuß über seinen Kopf hin, ihn fast regelmäßig zum Stehen. Der nächste Schuß darf dann freilich nicht lange auf sich warten lassen!

Selten habe ich es nötig gehabt, einem hochgebrachten Stück in dichteren Busch zu folgen. Das ist schwierig; die Aufgabe reizte mich aber, als eines Tages ein frischer Regen alle alten Fährten ausgelöscht hatte und die Folge auf einer gesunden Fährte dadurch möglich wurde.

Ein starker Bock war von einer breiten Grasfläche gut in den Wind in das Dickicht geflüchtet, wo ich nur Schritt für Schritt auf der Fährte folgen konnte. Nach 300 Metern etwa sprang der Bock hinter einem Busch ab; nach weiteren 500 Metern sehr aufmerksamen Pirschens sah ich seinen Kopf hinter einer kleinen Fächerpalme etwa fünfzehn Schritt vor mir. Mit einem schnellen Schuß streckte ich das Tier. Ich hatte die Stellung ziemlich richtig angesprochen; der Schuß saß hinter der Schulter.

Die Riedböcke haben zwischen den Hinterblättern vier beutelartige Vertiefungen von etwa drei Zentimeter Tiefe; Drüsen befinden sich nicht darin. Da ich mir über die Bedeutung dieser Gruben nicht klar wurde, fragte ich auch die Neger danach und bekam eine der häufigen Antworten, aus denen der Weiße schließen muß, daß die Beobachtungsgabe des Negers unzuverlässig ist. „Mit diesen Löchern“ hieß es, „erregen die Tiere beim Laufen die Pfiffe, die ein erschreckter Riedbock gelegentlich von sich gibt!“

Eines Tages pirschte ich mit dem Bezirksamtmann von Mohorro, Herrn Graß. Wir brauchten notwendig Fleisch, deshalb sollten auch schwache Böcke daran glauben. Das erste Stück bemerkte ich und schoß flink, als ich sah, daß es ein Gehörn hatte. Es fiel mit Kreuzschuß, dabei war nichts Besonderes. Aber jetzt kam es drollig: Die nächsten drei Stücke zogen in lichte Flötenakazien, und wieder bemerkte ich die Tiere vor den Schwarzen. Rechtwinklig zur bisherigen Marschrichtung pirschten wir nach, sahen durch die Gläser und suchten nach Gehörnen. So vergingen einige Minuten, da raunte uns ein Neger mit erregter Stimme zu: „Bwana! dort ist Wild, da! da!“ und zeigte in die Richtung auf unsere Riedböcke. Wir dachten mindestens an Löwen und stierten vergeblich suchend ins Gelände. „Ja, seht ihr’s denn nicht?“ sagte in überlegenem Tone der Schwarze. „Meinst du die Riedböcke?“ Wirklich, so war’s! Ich hätte ihn prügeln mögen, daß er unsere Erwartungen vergeblich anspannte!

Endlich steht der Starke schußrecht vor einem Busch.

Ich schieße; Kugelschlag!