Peterle ist nämlich am elften Juni zur Welt gekommen.

Nun stellt Euch vor: an einem elften Juni schneete es!

War das nicht Grund genug für Peterle, sich des Schnees zu freuen und den ganzen Geburtstag am Fenster zu kauern und in den Schnee zu gucken?

Ich denke doch.

Peterle saß denn auch am elften Juni unerschütterlich am Fenster und war glücklich über den vielen, vielen Schnee, der da vom Himmel heruntergeschüttet wurde.

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Es ist nichts mehr von Peterle zu erzählen. Sie hat ihren Schnee gehabt und weiter geträumt, bis sie zur Schule mußte. Und der Rohrstock des Lehrers erwies sich — bezüglich der Träumereien — als ein besserer Pädagog als die verhätschelnde Liebe der Eltern.

Es wäre vielleicht dem oder jenem Leser angenehm gewesen, wenn sich herausgestellt hätte, daß Klein-Peterle Fieber gehabt hätte und an ihrem Geburtstage (nach Erledigung der «Schnee-Vision») ein Englein geworden sei. Sozusagen: der «tragische» Tod eines Kindes.

Oh nein! Peterle hat kein Fieber gehabt — und der Schnee war wirklicher, echter Schnee.

Meine Eltern wohnten damals in derselben Straße wie Peterles Eltern, und ich bin Zeuge — ich erinnere mich noch deutlich —, daß es im Jahre 18 . ., am elften Juni den lieben, langen Tag über ununterbrochen geschneet hat. Allerdings nur in unserer Straße und sonst nirgends. Das war damals ein allgemeines Verwundern und Kopfschütteln in Klotzsche — in Klotzsche hat sich der Schneefall begeben! —, und meine Eltern und wir alle haben nichts damit anzufangen gewußt, bis mir vierzehn Jahre später Peterle selbst von ihrem Geburtstagswunsche und der Fee berichtet hat.