Wo befanden sich nun die Seestreitkräfte der beiden Nationen beim Beginn des Krieges?

In den Frühjahrsmonaten des Jahres 1870 sollten die drei deutschen Panzerfregatten ‚König Wilhelm‘, ‚Kronprinz‘ und ‚Prinz Friedrich Karl‘ mit dem Panzerfahrzeuge ‚Prinz Adalbert‘ ein gemeinsames Geschwader bilden, das zur Einübung der Mannschaft, zur Erprobung der neuen Geschütze, sowie zu allerlei taktischen Manövern eine größere Übungsreise zu unternehmen hatte, die sich bis nach den Azoren ausdehnen sollte. Leider war der Beginn dieser Übungsfahrt nicht von Erfolg begleitet. Dem ‚Prinz Friedrich Karl‘ wurden infolge einer falschen Lotsenanweisung im Großen Belt mehrere Schraubenflügel abgerissen. Die im Hafen von Plymouth vorgenommene Ausbesserung durch Einsetzen der Ersatzflügel gab dem Schiffe nur wenige Knoten Fahrtgeschwindigkeit. Durch Platzen eines Dampfzylinders erlitt die Maschine des Panzers ‚König Wilhelm‘ einen größeren Schaden, so daß auch dessen Fahrtgeschwindigkeit sich auf zehn Knoten herabminderte. Und um das Unglück vollzumachen, verminderte sich auch die Leistungsfähigkeit der Fregatte ‚Kronprinz‘ durch einen Maschinenschaden; auch das letzte der Schiffe, das Panzerfahrzeug ‚Prinz Adalbert‘, zeigte gleichfalls keine besonderen Vorzüge.

In den heimischen Gewässern befanden sich für den Krieg nur wenige Schiffe in Dienst: vier Kanonenboote und einige Schulschiffe, die für einen Seekampf nicht in Frage kamen. Auf den auswärtigen Stationen fuhren im Hinblick auf die noch geringen deutschen Seestreitkräfte nur wenige Schiffe: ‚Herta‘ und ‚Medusa‘ in Ostindien, ‚Arkona‘ im Atlantischen Ozean und ‚Meteor‘ in Westindien.

Die Stellung der französischen Kriegsflotte zu Beginn des Feldzuges war eine weit günstigere, da Frankreich ohne vorangehende Rüstung in seinen Küstengewässern zwei Übungsgeschwader besaß. Eine Flottenabteilung, die sich aus sechs Panzerfahrzeugen und den dazu gehörigen Begleitschiffen zusammensetzte, stand unter dem Befehl des Vizeadmirals Fourichon und befand sich im Mittelmeere. Drei Panzerschiffe unterstanden dem Admiral Dieudonné; dieses Geschwader zeigte sich im Kanal, ferner konnte eine größere Anzahl von Kriegsschiffen innerhalb zweier Tage in den fünf Kriegshäfen des Landes in Dienst gestellt werden. Bei der Größe der französischen Kriegsflotte ist es selbstverständlich, daß auf den verschiedenen Stationen in der Levante, in Ostasien, im Indischen und Stillen Ozean, in Westindien, in Südamerika, sowie auch an der Westküste von Afrika einzelne Fahrzeuge wie ganze Flottenabteilungen die französische Flagge zeigten, und somit waren die Befürchtungen, daß die französische Flotte urplötzlich in die deutschen Seehäfen einfallen könnte, durchaus berechtigt.

Was tat die deutsche Flottenleitung? Sie nahm darauf Bedacht, das in der Nähe der französischen Küste schwimmende Panzergeschwader heimzubeordern. In den Tagen der Verwicklungen trug Prinzadmiral Adalbert, der Führer der deutschen Panzerflotte, den politischen Verhältnissen durchaus Rechnung. Als er am 10. Juli aus Plymouth fuhr, führte er die Segelorder nach den Azoren wohl weiter aus, aber das Panzerfahrzeug ‚Prinz Adalbert‘ schickte er nach Dartmouth, um von hier aus die Nachrichten der deutschen Botschaft in London in Empfang zu nehmen. Nicht lange sollten diese ausbleiben. Schon am 13. Juli stieß das Panzerfahrzeug an einem vorher verabredeten Sammelplatz im Ozean zum Geschwader. Die Mitteilungen lauteten sehr ernst und veranlaßten den Admiral, nach Plymouth zurückzukehren und nach einem Aufenthalte von nur wenigen Stunden die Heimfahrt anzutreten. Die gefechtsbereiten Schiffe kamen glücklich am Abend des 16. Juli bei Wilhelmshaven an. Am 17. Juli wurde das überflüssige Segelwerk an Land geschafft und die Schiffe vollständig gefechtsbereit gemacht, dazu mit scharfer Munition Schießübungen abgehalten. Die schnelle Rückkehr des deutschen Geschwaders blieb der französischen Heeresleitung unbekannt, wie aus den Berichten des französischen Admirals hervorging, der noch am 25. Juli nach den deutschen Schiffen suchte und erstaunt war, sie nicht zu finden.

An den Ufern der Elbe, der Weser und der Ems, wie auch an den Gestaden der Nord- und Ostseeküste wurden Befestigungen geschaffen und in aller Eile bei Kiel, Wilhelmshaven, Cuxhaven schnell Werke angelegt und mit Geschützen besetzt, und die Flußhäfen sämtlicher gefährdeten Fahrwasser wurden durch Sperren eingeengt. Zu dem Zwecke benutzte man Seeminen, Ketten, Taue, Balken. Zahlreiche Beobachtungsstationen an der ganzen Seeküste von Borkum bis Memel standen mit dem Telegraphennetze des Landes in Verbindung. Diese gewiß nicht kleine Aufgabe der Verteidigung kam rasch zur Ausführung und bot trotz der Schnelle eine sichere Vorkehrung gegen etwaige Angriffe des Feindes. Vizeadmiral Jachmann mußte bei der Mobilmachung eine Verteilung der Seestreitkräfte an der Seeküste vornehmen. Drei Panzerfregatten, sowie die königliche Jacht ‚Grille‘ und fünf Kanonenboote wurden auf die Außenjade gelegt, um dieses Fahrwasser und Wilhelmshaven zu schützen. Für die Weser, die damals noch keine hinreichende Wassertiefe besaß, um größere Seeschiffe passieren zu lassen, genügten als Schutz vier Kanonenboote. Das Elbwasser wurde geschützt durch Küstenbatterien, die sich noch im Ausbau befanden, und durch drei Kanonenboote. Zur Bewachung der Ems und zur Beunruhigung der feindlichen Verbindungslinien dienten zwei Fahrzeuge. Ungeschützt blieb die Mündung der Eider. In der Ostsee besaß Kiel zwei Avisos zur Auskundschaftung, und zur Verteidigung vier Kanonenboote, eine Hafensperre, sowie die Küstenbatterien. Bei Rügen und Stralsund lagen zwei Schiffe, die ‚Danzig‘ und die kleine ‚Nymphe‘. Der sorgsam erwogene Verteidigungsplan konnte selbstverständlich sich nur auf eine Verteidigung beschränken. Denn die Stärke der französischen Kriegsflotte schloß ein Vorgehen der deutschen Flotte aus. Zur Verteidigung der Seeküste stellten die Landtruppen das Seebataillon, eine Seeartillerieabteilung und die vier mobilisierten Armeekorps der Küstenprovinzen. Vom 28. Juli an verblieben nur die 17. Division in Schleswig-Holstein, drei Landwehrdivisionen und etwa neunzigtausend Mann zur Verfügung des Generals Vogel von Falkenstein, der das Küstenkommando innehatte.

2. Auf der Wacht an der Seeküste.

An der deutschen Seeküste.

Tausend fleißige Hände arbeiteten in den kritischen Tagen tagaus, tagein, um die Häfen und Strommündungen in einen wirksamen Verteidigungszustand zu setzen. Das deutsche Geschwader erwartete stündlich den Angriff der anrückenden französischen Flotte; dies geschah jedoch nicht. Die feindliche Flotte nahm ihren Weg um Skagen nach der Ostsee und versperrte damit diese Fahrstraße für deutsche Schiffe.