S. M. S. ‚Iltis‘.

Als es heller wurde, vermochten sich die Gegner besser aufs Korn zu nehmen. Immer wirkungsvoller schossen die Forts. Kurz hintereinander trafen sechs Geschosse die Schornsteine vom ‚Iltis‘ und durchschlugen sie. Die ersten Schwerverwundeten lagen an Bord des Schiffes: Berichterstatter Herrings und Obermaat Homann. Immer heftiger wurde der kleine ‚Iltis‘ getroffen. Seine hohen Aufbauten boten ein gutes Ziel. Schüsse in die Takelage nahmen Wanten und Stage weg. Als dann in der Morgendämmerung die Landungstruppen vorrückten und die Wälle des Nordwestforts stürmten, war es die höchste Zeit, den Ankerplatz zu wechseln, so gut hatten sich die Chinesen mit den Südfortgeschützen eingeschossen. Vorwärts, langsam vorwärts ging es dann. Brausend begrüßte sich die Iltisbesatzung durch Hurrarufe mit den Landungstruppen, die das Nordwestfort, auf dem bald alle Flaggen der am Kampfe beteiligten Nationen wehten, besetzt hielten. Nur kurze Zeit feuerte der ‚Iltis‘ auf das Nordfort. Als es schwieg, richteten sich alle Geschütze, soweit sie nach Steuerbord feuern konnten, gegen die Kanonen der Südforts und bewarfen diese mit Schnellfeuer. Mit lautem Knall flog dort ein Munitionslager in die Luft. Wieder trafen sehr schwere Schüsse den ‚Iltis‘.

Ein anderer Treffer zündete die 3,7 Zentimeter-Maschinenkanonen-Munition an, so daß sie knisternd abbrannte. Binnen kurzer Zeit hatte Oberleutnant Nerger mit den Feuerlöschmannschaften das Feuer gelöscht. Ein Geschoß traf die untere Brücke und tötete den im Gang stehenden Artillerieoffizier Oberleutnant Hellmann und den neben ihm stehenden Hornisten. Kurz, Schlag auf Schlag folgten die schmerzlichen Verluste.

Eine Granate schlug unter dem Kommandoturm ein und richtete hier große Verheerungen an. „Ruder zerschossen!“ meldete der Signalmatrose; der Telegraphenposten rief: „Maschinentelegraphen und Sprachrohr zerschossen!“ — „Befehlsübermittelung an die Maschinen über Deck!“ lautete der Befehl des Kommandanten, und kaum war es gesprochen, da zuckte ein Feuerstrahl, ein Knall — und die Sprengstücke der Granate durchlöcherten den anderen Schornstein, zerschmetterten dem Kommandanten das Bein und rissen ihn zu Boden. Der Schreckensruf: „Der Kommandant ist gefallen!“ eilte durch die Räume des Schiffes.

Vizeadmiral von Lans.

Als der Pulverrauch sich verzogen hatte, stand der Führer, gestützt auf das Geländer, wieder aufgerichtet da und rief dem Steuermann zu: „Das linke Bein ist zerschossen; hier ist mein Taschentuch, schnüren Sie es über die Wunde fest um das Bein!“

Oberleutnant Hoffmann übernahm das Kommando; in einem Berichte, den er veröffentlichte und dem auch wir folgen, schreibt er: „Nun stand ich neben dem Verwundeten, der sich beim Passieren der ‚Algerine‘ noch einmal zusammenraffte und um ärztliche Hilfe hinüberrief, da unser Arzt und unsere Krankenträger durch die schweren Verwundungen alle Hände voll zu tun hatten, — dann brach der Kapitän Lans zusammen. Er wurde von mir und dem Steuermann Schmidt auf einen an Deck stehenden Munitionskasten gesetzt, bis auf den Ruf: ‚Krankenträger!‘ sich unter persönlicher Leitung des Stabsarztes diese zum Transport des Kapitäns nach dem Verbandplatz anschickten.

„Ich sah noch, wie die Krankenträger den schwerverwundeten Kapitän Lans hoch nahmen und an die Backbordtreppe brachten. Da traf uns wieder ein Schuß, der die Bereitschaftsmunition der Maschinenkanonen zum zweitenmal in Brand setzte, die im Gang liegenden zwei Leichen noch mehr verstümmelte und bei seiner Explosion die Treppe wegriß, auf der einer der Krankenträger schon stand, den verwundeten Kommandanten im Arm. Alle wurden weggerissen, durch den Luftdruck beiseite geschleudert. Ein Wunder war’s, daß sie nicht alle den Tod fanden. Um sie konnte ich mich leider nicht mehr bekümmern.“ —