„Das wird den Engelschen Mut machen, und sie werden alle Zeit gewinnen und wir davon laufen. Wie manchen deutschen frommen und braven Seemann und Kaufmann werden wir um Leib und Gut bringen! Ach, wären wir nur nicht losgegangen, es wäre ja besser, daß uns die Welschen ihr Leben lang nicht mit Augen gesehen!
„Habe ich euch nicht vorher gesagt: ‚Gesellen, das wäre wohl eine gute Beute, aber sie wird Arbeit kosten! Wolltet ihr alle, wie ich, mit Ehren drauf und dran, so sollte sie uns nicht entgehen, aber unerschrockene Herzen und Fäuste gehören dazu. Die Galeere ist groß und wie ein scheußliches Biest anzusehen, dessen ihr nicht gewohnt seid, dazu viel größer als unser Schiff und mit vielem Volk und Geschütz ausgerüstet, jedoch es sind Welsche und keine Deutsche. Wollen wir nach unserer Väter Art mit Herzen und Fäusten Deutsche sein, so soll die Beute uns nicht entgehen und uns unser Leben lang gut tun.‘
„Da riefet ihr alle, ich solle euch nicht anders befinden, als wie es deutschen Männern wohl anstünde. O großer Gott, nun muß ich mit eigenen Ohren anhören, daß uns die Welschen nachrufen, so müsse man deutsche Hunde jagen. Sollte ein ehrlicher Deutscher nicht eher sterben, als das anhören?“ —
Mit solchen und ähnlichen Worten machte Paul Beneke seinem Volk das Blut wieder warm, daß es sprach: „Lieber Herr Hauptmann, hier ist noch nicht Großes versehen. Denn wenn wir eine Wendung machen, kann es uns viel, den Feinden keinen Nutzen bringen. Laßt uns jetzt nur alles auf das beste einrichten. Wir sind doch Deutsche und wollen uns auch als Deutsche finden lassen. Aber führe uns nochmals gegen den Feind. Die Welschen sollen Hunde finden, die nicht laufen, sondern weidlich beißen können.“
Als nun Paul Beneke merkte, daß der Kriegsleute Blut wieder warm und hitzig geworden, wollte er sie nicht höher erbittern, sondern gab dem Steuermann gute Worte, daß er das Schiff an die große Galeere steuere.
Da entfiel den Welschen der Mut, da begannen die Hansen sich als Deutsche zu erweisen. Wie Löwen saßen sie dem Feinde im Nacken und packten ihn, und ehe er sich’s versah, fielen die Enterhaken, und sie waren in der Galeere und begunnten zu würgen, was ihnen in den Weg kam.
Da hätte man Wunder sehen mögen, wie der Hauptmann von der Galeere, der vorher alle Deutschen allein fressen wollte, und die anderen Welschen auf die Knie fielen, sich vor die Brust schlugen und die Deutschen wie die Götter anflehten.
Und hier ließ Paul Beneke sich abermals wie ein Deutscher hören und sehen, denn, wiewohl die Welschen mit ihrem Hohn an den Deutschen kein Gutes verdient, konnte das edle deutsche Blut nicht anders, als Barmherzigkeit erweisen über die, welche, überwunden, sich demütigten und Gnade begehrten.
„Wollte Gott, daß solcher deutschen Hauptleuten viele wären!“ so schließt der ehrsame Lesemeister seinen schlichten Bericht.
Im Verlaufe des Kampfes floh das kleinere Schiff; die Danziger waren auch mit dem einen als Beute zufrieden, barg das Schiffsinnere doch Waren im Werte von über 1 Million Mark, und den Hauptvorteil dieses erfolgreichen Sieges bildete der Friede vom 28. Februar 1474. England fügte sich der Hanse und erkaufte den Friedensschluß gegen eine Zahlung von zehntausend Pfund Sterling.