„Etwas muss sein. Ich suche es im Unendlichen, tausend Jahre, Schatten, der ich bin, im Nichts, das sich bewegt und still bleibt in der [pg 276]Bewegung. Bewegung ist Nichts. Und Stillstand ist nicht. Um Sonnen drehen sich Welten. Aber die Sonne ist nur ein Schein andrer Sonne, und Welten sind Schattenflecken im Leeren. Ich wandre – wandre – wandre.“ ...

Er fasste seinen Stab und ging weiter durch die Nacht. Die Eisenspitze seines starken Stockes klang hart auf dem harten Kies. Die Fetzen seiner zerlumpten Kleider schlugen um seine dürren schreitenden Lenden im Winde.

Und Einer sprach: „Das ist der ewige Jude, Ahasver, der Zweifel des Menschen, der nicht ruht. Ob er wohl sieht und nicht sieht, das Gesehene selbst für Hirngespinste erklärt. So er die Hand in die Seite legte und die Wundenmale rührte mit seinem Finger, wird er sagen, dass das Blut Farbe ist und die Seite ist Seite einer Leiche. Dieser wird niemals selig und wandert bis an’s Ende der Tage. Alsdann wird er blind werden, wenn Alle sehen. Und in seiner Blindheit sehen, was in ihm war und immer gewesen ist von Anbeginn.“

„Werden Alle finden?“ fragte er eifrig.

„Alle, die suchen. Bis auf Einen, der nicht sucht.“

„Lass mich den sehen, der nicht findet,“ bat er.

„Es ist zu schrecklich zu sehen für menschliche Augen. Sie können ihn nur ausdrücken in dem, was sie nicht kennen. Er ist die Nacht.“

Indem er das sagte, ward die Nacht noch tiefer. Sie drang in seine Seele ein wie das Gefühl eines hohlen, schrecklichen Abgrunds. So stark war der Schrecken der Finsterniss, dass ihm der Schweiss von der Stirne rann, und wie er fiel, waren es Tropfen Blutes.

... Damit kam die Morgenröthe und die Sonne ging auf.