Zu ihm kamen Andre, die sich klug dünkten, sprachen: „Wir wissen sehr wohl, dass Du recht hast. Alles ist in der Klugheit, im Witz des Menschen. Mit ihm erfindet er, verbindet Meere und Erdtheile. Sieh das System, das wir aufgebaut haben, darin das Glück ist und Wohlleben für Alle.“
Er sprach: „Der Stein ist geduldig. Er trägt die Marke, die man ihm eingräbt. Wie wollt [pg 301]Ihr solches zeichnen in Fleisch und Blut? Die Kräfte der Natur gehorchen Gesetzen. Wer ihr ihre Gesetze ablauscht, der ist ihr Herr; weil er ihr folgt in ihren Zwecken, nur ihr Diener ist, den sie trägt. Kennst Du das Gesetz, das den Knaben leitet zum rothen Mord oder die tugendsame Jungfrau zur Buhlschaft?“
Sie sprachen: „Wir kennen es nicht.“
Er sprach: „Es giebt kein Gesetz, das gut ist für Alle. Aber das Gute ist in Allem. So Jeder gut thut, ist Alles gut.“
Das verstanden sie nicht und sprachen: „Es wird immer Schlechte geben.“
Er sprach: „So lange es sie giebt, ist Nichts gut.“
„So sollen wir gar nichts thun, die Hände in den Schooss legen?“ fragten sie nun.
Er sprach zu dem, der das sagte: „Thue Du für Dich! Mächtiger denn viele Worte spricht das Beispiel. Eine That wiegt schwerer denn tausend Gleichnisse. Einer, der stirbt für sein Leben, schafft zehnfaches Leben.“
Aber es gefiel Keinem, was er sagte. Sie murrten gegen ihn: „Das haben wir längst gewusst. Diese Weisheit ist so alt wie die Sonne. [pg 302]Es ist nichts gekommen aus ihr und hat sich nichts geändert, seit die Sonne scheint.“
Er aber ward traurig in seinem Herzen, dachte: „O dass Ihr hasstet oder liebtet! Aber es ist nur Erde in Euch oder kalter Verstand. Ihr seht die Sonne nicht vor so vielem künstlichen Licht. Rom war besser und Babylon war edler. Im blutrothen Blut müsst Ihr roth werden! Von den Flammen Eurer Städte und Häuser werden in Euch Flammen aufschlagen! O Ihr armseliges Geschlecht in Eurem Reichthum! Würmer und Elende in all’ Eurer Kunst!“