Er sprach, der der ältre Bruder war und der Weiseste von Beiden: „Diesen Mann muss ich hören. Und wenn ich alle meine Güter dahintenlasse, was das Herz froh macht, ein Weib und junge Kinder. Es ist wichtiger, dass ich habe, was ewig bleibt. In sich bauen, dass man fest wird, ist mehr denn Häuser bauen, die der Sturm einreisst.“

Diese Beiden gingen und suchten den Fremden auf.

Sie waren aber redliche Leute, wohlgeachtet von allen Menschen und von nachdenklicher Gemüthsart, wie es das Handwerk mit sich bringt. Denn ein Maurermeister in seinem Handwerk, so er es recht versteht und ernst nimmt, ist etwas vom lieben Gott und Schöpfer selbst, der die Welt geschaffen hat. Er hält in seiner Hand Thon und Mörtel. Was er baut, soll für Jahre und Jahrzehnte sein, wohlgegründet und ausgemessen in allen seinen Theilen, dass nicht das Hohe auf das Niedrige falle, der Boden nachgiebt unter zu schwerer Belastung von Schnörkeln, Pfeilern, buntausgemalten Fenstern.

Alle diese und Andre, an der Landstrasse, sah und fand der Fremde.

Manchmal, wenn Viele beisammen waren, an einem Wegrain oder auf der Rasenhöhe über dem Teich, sprach er zu ihnen.

Er sprach ihnen von der Armuth des Reichthums und wie die gering sind und Knechte, die streben und hochstehen.

Von den Thörichten des Herzens und den Armen im Geist sagte er ihnen süsse, geheimnissvolle Worte. Und von der Güte der Unklugen, die weiser ist denn Weisheit und stärker denn Stärke aller Gewaffneten und Starken.

Kleine Kinder umstanden seine Kniee und sahen zu ihm auf mit grossen, unbewussten, gläubigen Augen. Sehr alte Leute nickten in tiefen Meditationen. Mütter hielten sich lächelnd an mit ihren Säuglingen an der Brust, die nach der nährenden Zitze lallend griffen, sie patschten mit ihren rosigen Händchen.

„Die Liebe kennt kein Gesetz. Sie ist über dem Gesetz. Alles Gesetz ist in ihr.“

„Gieb! Man wird Dir nicht stehlen, wenn Deins ist wie Deines Bruders und Deines Bruders wie Deins.“