Die Lästrung verhallte in der Dunkelheit, die sich nicht rührte. Ein Wind schien sich erhoben zu haben, strich mit schriller Klage über die Telegraphendrähte, durch die Löcher der Jacke, in der der Kleine sich zusammendrückte. Alles blieb so, die schwarzen Fabrikgebäude, die Dunkelheit, die Kälte.... Und in der Ferne das Verhängniss, das anzog, sich näherte, etwas Schwarzes, Compactes, mit Augen ... Berlin, die Grossstadt.
„Guten Abend!“ sagte eine Stimme neben ihnen.
Jemand musste an ihrer Seite heraufgekommen sein. Er war wohl von rückwärts nahe gekommen. Sie hatten ihn nicht gehört, weil der weiche Schmutz alle Schritte erstickte. Und es war finster.
Sie sahen, dass es ein Mann war. Er mochte in ihrer eigenen Grösse sein, nicht über Mittelgrösse. Er trug die Tracht eines Arbeiters, nicht gut und nicht schlecht, die eines Mannes, der Arbeit gethan hat und weit gewandert ist.
„Guten Abend!“ sagte der Fremde noch einmal.
Er sagte es mit einer ruhigen, sehr angenehmen Stimme, die aus dem Nebel zu kommen schien. Etwas von Traurigkeit und Entfernung lag in dem Klang der Stimme.
„Guten Abend!“ sagte der kleine Richard.
Fritz Kuhlemann brummte widerwillig seinen Gruss.
Der Fremde war an ihrer Seite geblieben. Er ging denselben Schritt wie sie. Nur war es dem Kleinen, als ob der Wind ihn jetzt nicht so träfe. Er empfand das angenehm.
„Es ist spät,“ sagte der Fremde. „Und es ist kalt hier aussen.“