Und wer hat mich das gelehrt? Ein kleines, stummes, wunderbares Wunder, [pg 97]eine zarte, weisse Knospenhülle, um eine träumende, unschuldige Seele.
Mathilde! Mein Mädchen! Mein Weib!
Und wir sprechen von überlegnem Geist, von Klugheit, von Grossthaten. Hier ist der Kern des Rätsels: das Unbewusste, die Unschuld in der Lieblichkeit.
Ob sie denkt und philosophiert, wie ich. Das geschieht Alles so selbstverständlich. Sie lässt sich von mir küssen, in die Arme schliessen.
Sie lächelt. Sie bereitet die Aussteuer.
Wie ich diese schöne Sicherheit liebe! So wird sie als Gattin, als Mutter bleiben, ihr Geschick erfüllt. Wieviel sichrer geht die Natur im Weibe. – Jungfrau – Geliebte – Mutter! Wir irren auf allen Pfaden, beflecken Seele und Leib, um zuletzt demütig niederzuknien vor so einem holden, [pg 98]nicht denkenden, kinderthörichten Wesen: Nimm mich! Lehre mich leben! Mach’ mich glücklich!
Wenn ich jetzt zu ihr komme, finde ich sie vergraben zwischen weisser Leinwand und Spitzen, bunten Seidenstoffen.
Ah, dieser holde und mysteriöse Apparat, der die Braut in das Haus des Gatten geleitet wie auf einer schneeigen Rosenwolke, Dinge, die verhüllen, Wollust versprechen, Reinheit, Zartheit. Ich getraue mich kaum sie anzufassen mit meinen groben Fingern. Ihr Zweck ist mir ein süsses Mysterium, macht mich träumen .. wie diese Festtags-Packete unsrer Kinderzeit, sorgfältig eingeschlagen und umwickelt, um die holde Spannung, die Sehnsucht zu erhöhen.
Sie nimmt das sehr ernsthaft. Sie scheint ganz damit beschäftigt. Ist es denn nicht [pg 99]ernsthaft, ihre kleine Person, die sie schmückt, reizend macht. Bin ich es nicht, für den sie sich schmückt?
Ist es nicht urälteste, heilige Sitte, die Braut, die sich salbt und schmückt, das süsse Geschenk ihres Leibes noch süsser machend. Es sind nörgelnde Kritiker, Frauen, die ihren Beruf, ihr innerstes Wesen verkannt, die gegen die Eitelkeit polemisieren, Uniformen, Trachten einführen wollen. Die Frau giebt nur sich selbst. Ihre Seele ist so ganz eins mit ihrem Leibe in diesen Momenten – Lebensträgerin ... Sie soll ja das Glück sein, die Wonne, die Schönheit.