Die eine von ihnen hatte nun einen Sohn, das war die graue, und die andere hatte eine Tochter, das war die grüne. Beide Kinder liebten sich und wollten sich gern heirathen.

Aber der Vater des jungen Fräuleins hatte einen Widerwillen gegen den jungen Heuschreck, weil er nicht grün war wie seine ganze Familie seit verschiedenen Geschlechtern, sondern grau und nur ganz wenig grün gesprenkelt. »Das gehe nicht an«, meinte der Vater, »Art müsse immer bei Art bleiben und nie werde er zugeben, daß in seiner Familie eine Mißheirath vorfalle.«

Das war nun recht schlimm für die beiden Kinder. Die Mutter hätte es freilich gern gesehen, wenn aus ihnen ein Paar geworden wäre, aber da der eine Vater es nicht zugeben wollte, so mochte der andere auch nichts davon hören, daß sich sein edel graues Geschlecht mit dem hoffärtigen Grün vereine.

Die beiden Kinder waren äußerst betrübt, denn eine unglückliche Liebe geht noch weit über Zahnschmerzen und Ohrenreißen, das kann Euch Jeder erzählen, der sie erfahren hat.

Eines Abends kam nun der Vater des jungen Fräuleins sehr ermüdet nach Hause, denn er hatte viel im Felde zu thun gehabt. Er wollte ausruhen, setzte sich hin und zirpte.

Da sprach seine Frau zu ihm:

– Lieber Mann, unser Kind ist so unglücklich, daß es uns sterben wird, wenn wir nicht nachgeben. Ich wasche meine Hände in Unschuld, denn Gott weiß, daß ich dem Glück unserer Tochter nicht im Wege stehe!

– Kann nichts daraus werden! sagte der alte Heuschreck. Er ist einer von den Grauen und gehört also zu den unteren Classen; meine Tochter soll sich nicht unter ihrem Stande vermählen.

Als er das gesagt hatte, zirpte er gemüthlich weiter.

Aber seine Frau wußte ihm doch das Herz weich zu machen, so daß er endlich nachgab.