Amanda aber bat ihn doch gar zu sehr. Endlich sagte der Unterofficier, es sei zwar gegen alle Disciplin, aber da er die Nothwendigkeit einsehe, so wolle er die Sache auf seine eigne Kappe nehmen und ihnen sechs Soldaten mitgeben, die er auch sogleich in Reih' und Glied aufmarschiren ließ.

So war denn Alles gut. Der Kellermeister rollte sein Weinfaß auf einen kleinen Wagen und legte Citronen und Liqueurbonbons für die Bowle hinzu. Amanda räumte ihre Küche aus und legte eine Terrine auf den Wagen, auch Gläser und Teller so viele sie ihrer waren. Endlich wurden auch Biscuit, Kuchen, Nüsse, Rosinen und Mandeln zum Dessert nicht vergessen.

Die Gesellschaft sollte nun Arm in Arm zu Zweien abmarschiren; als sie aber an das Rattenloch kamen, fand es sich, daß dieses zu eng für Zwei war, und sie mußten daher einen Gänsemarsch antreten.

Vorn, in der Mitte und zu Ende des Zuges gingen zwei Soldaten. Hinter den beiden ersten kam die Musik: der Orgeldreher mit seinem Leierkasten, der Nachtwächter mit seinem Tuthorn und der Knarre und der Postillon mit seinem Posthorn. Herr Gott im Himmel, war das eine erschreckliche Musik! Aber sie konnten doch nicht anders, denn sie hatten ja keine Noten!

Indeß hätten sie wenigstens alle drei eine und dieselbe Melodie spielen können, denn der Orgeldreher leierte »o du lieber Augustin«, der Nachtwächter tutete Feuerlärm und sang dazwischen »hört Ihr Herrn und laßt Euch sagen« und der Postillon blies immerweg Schnengterengtengteng. Es war eine gottlose Musik, aber es marschirte sich doch gut darnach, und dann verscheuchte sie ja auch die Ratten, was eine sehr gute Eigenschaft an aller Musik ist.

Also kam man unangefochten über den Hof und an den Teich, an dessen Ufer das kleine Schiff lag, welches des Pächters Sohn immer auf dem Wasser segeln ließ. Es waren auch hölzerne Matrosen auf demselben, die hatten den Sylvesterabend etwas stark gefeiert und einige hatten über den Durst getrunken und sich schon in ihren Kajüten zu Bett legen müssen. Die andern aber brachen in ein lautes Hurrah aus, als sie die Gesellschaft kommen sahen, sie brachten Alle aufs Schiff und zuletzt auch den Wagen mit den Lebensmitteln. Gott sei Dank, daß der nicht vergessen wurde!

Die Matrosen hißten nun die Segel, das Schiff ging ab; die Soldaten machten linksumschwenkt und marschirten trapp, trapp wieder durch das Rattenloch zurück.

Nach einer Viertelstunde landete man an der Insel, lustig ging der Zug in den Pavillon. Der Kellermeister, der auf Alles bedacht gewesen war, zündete eine Menge Lichter an, daß es hell war wie am Tage; die Bowle wurde bereitet und duftete süß wie reiner Maitrank. Der Kellermeister spielte den Wirth, und da zufällig eine Marketenderin aus der »Regimentstochter« sich unter der Gesellschaft befand, so mußte diese die Gläser kredenzen.

Nun ging auch der Ball los. Der Nachtwächter, der Leiermann und der Postillon kletterten auf einen Stuhl, den sie als Orchester benutzten und schmetterten und bliesen und leierten, daß es eine Art hatte; freilich konnte man dabei leicht aus dem Takt kommen, aber wer gern tanzt, dem ist ja leicht gepfiffen.

Den Ball eröffnete der Tanzmeister mit einer feierlichen Polonäse und beschloß ihn mit einem sinnreichen Cotillon.