– Nein, das war nicht gut.
Am vierten Morgen erwachten die Jungen in ihrem Nest, als die Mutter schon ausgeflogen war, um Frühstück für sie zu besorgen. Zu ihrem Schrecken sahen sie ein Netz über ihr Nest ausgebreitet und vor ihnen stand ein rothköpfiger Knabe auf der Leiter, der das ganze Nest aushob.
Die Sperlingsmutter kam gerade nach Hause, umflog den bösen Knaben und rief ängstlich: piep, piep! als sie das Unglück sah.
Da aber kam der Küster des Weges, er nahm dem rothköpfigen Knaben das Nest ab, stieg die Leiter hinauf und setzte es wieder an seinen Platz.
– Ach, das ist gut, das ist gut! riefen die Jungen, noch zitternd vor Schreck.
– Seht ihr! sprach die Sperlingsmutter. Jetzt wißt Ihr mit einem Male, was gut ist. Ihr habt gestern dem Küster alle seine schönen Melonen angefressen, und doch hat er euch Gutes gethan. Macht's künftig ebenso! – Kinder wissen überhaupt immer, was gut ist, sie wollen es oft nur nicht wissen.
Christ ist geboren!
– Es ist sehr unrecht von dem Pfarrer, daß er da drüben in der Kirche immer von der Vergeltung Gottes bis in's unendlichste Glied spricht und auch stets so schlecht von den Dornen redet! sagte der Dornbusch, der vor dem verfallenen Stallgemäuer der Schloßruine, der Dorfkirche gegenüber stand. Es ist sehr unrecht von ihm, denn er kann ja z. B. nicht wissen, was es mit mir für eine Bewandtniß hat! – Auf dem Blutsacker bei Golgatha, da stand vor bald 2000 Jahren mein Stammbaum, ein Kreuzdorn, aus dessen Zweigen flochten sie die Dornenkrone des Heilands. Der Pfarrer drüben aber weiß nicht, daß ich von diesem Kreuzdorn stamme, daß alle directen Abkommen desselben rothe Blüten treiben, in der Christnacht blutige Thränen weinen, und daß wir Dornen uns ewig verjüngen wie Christi Lehre, denn wir sind ja mit ihr verflochten!
So sprach der Dornbusch. Und da fuhr der Wind in seine Zweige und schüttelte sie, daß Schnee von denselben fiel.
– Freilich, die Bewandtniß muß man kennen! seufzte der Dornbusch.