– Nein, nein, einen Streich, einen tüchtigen Possen! fiel der Sommer ein, der ja bekanntlich immer mit dem Frühling an einem Strange zieht. – Strafe muß sein, und deshalb sind wir ja gekommen – – – Bin ich so schlecht gewesen, wie Du mich gemacht hast, Du Sternegucker? rief der Sommer, dem Kalendermann ins Gesicht schauend und ihm einen Nasenstüber gebend.

– Habe ich alle Wiesen und Felder ertränkt, Du Ofenhocker? rief der Frühling, dem Beispiel seines Collegen folgend.

– Habe ich so viel gehagelt und geregnet, daß die ganze Weinlese verdorben ist, Du Wassertrinker? rief der Herbst, seine feuchten Locken über dem Kalendermann schüttelnd, daß ihm gewiß träumte, er sitze unter einer Dachtraufe.

– Bin ich so hart und unbarmherzig gewesen, daß die armen Vögel aus der Luft gefallen sind, Du Unglücksprophet? fragte der Winter, den Fausthandschuh ausziehend und ihm über die Wangen fahrend, daß den schlafenden Kalendermann ein Schauder bis in die Fußspitzen durchlief.

Der arme Wetterprophet aber saß noch immer da und schlief; er mochte wohl im Traume sehen, was um ihn her vorging, denn er wand sich und stöhnte in seinem Lehnstuhl, als wäre ihm all das Unwetter des verflossenen Jahres in die Glieder gefahren.

– Nun laßt uns nachdenken, was für eine Strafe wir über ihn verhängen! sagte der Frühling, und da setzten sie sich alle Vier um den armen Sünder und hielten einen großen Rath, in welchem sie beschlossen, es solle ihm Jeder ein Andenken zurücklassen, damit er wisse, wer bei ihm gewesen sei.

Gesagt, gethan. Der Frühling stand auf, trat zu dem Kalendermann und baute ihm unter jede seiner Augenwölbungen ein kleines Schwalbennest; in jedem saßen zwei ganz kleine, junge Schwalben, die piepten und schrien, streckten ihre Hintertheile zum Nest heraus und machten ihm etwas – nun, Ihr wißt ja! – gerade in seine weite Kravate.

– So, sagte der Frühling, jetzt kannst Du in Deinen Kalender schreiben, daß eine Schwalbe noch lange keinen Frühling macht!

Und der Sommer trat zu ihm und ließ ihm eine große Gurke an seine Nase und dichtes, grünes Spargelkraut aus den beiden Taschen seines Schlafrocks wachsen.

– So, sagte er. Der Sommer läßt grüßen! Da hast Du Spargel und Gurkensallat auf einmal; laß sie Dir gut schmecken!