„Steig hinein!“ sagte Haley zu Tom, während er durch die Menge von Sklaven hindurchschritt, die ihn mit finsteren Blicken betrachteten.

Tom stieg ein und Haley zog unter dem Wagensitze ein Paar schwerer Fußschellen hervor, welche er um seine Fußgelenke befestigte. Ein unterdrücktes Stöhnen von Unwillen rann durch die ganze Versammlung, und Mrs. Shelby rief von der Veranda aus hinab:

„Mr. Haley, ich versichere Sie, diese Vorsicht ist ganz unnöthig.“

„Weiß nicht, Madame,“ entgegnete Haley, – „habe schon fünfhundert Dollar hier auf dem Platze verloren, kann mich durchaus nicht solcher Gefahr noch 'mal aussetzen.“

„Was konnte sie anders von ihm erwarten?“ sagte Tante Chloë, innerlich empört, während ihre beiden Knaben die Lage ihres Vaters nun mit einem Male zu begreifen schienen, und sich an die Kleider ihrer Mutter hängend heftig schluchzten und stöhnten.

„Es thut mir leid,“ sagte Tom, „daß Master Georg nicht hier ist.“

Georg hatte einen Ausflug in die Umgegend auf einige Tage unternommen, um einen Jugendfreund zu besuchen; und da er früh am Morgen abgereist war, ehe das Gerücht von Tom's Unglück sich allgemein verbreitet hatte, so war es ihm unbekannt geblieben.

„Bringt Master Georg meinen Gruß,“ sagte er dringend zu seiner Frau und den Umstehenden.

Haley hieb auf die Pferde, und mit einem festen, traurigen Blicke, den er unverwandt auf seine heimathliche Stätte richtete, sah Tom sie allmählig vor seinen Augen verschwinden.

Mr. Shelby war um diese Zeit nicht zu Hause. Er hatte Tom im Drange der Nothwendigkeit verkauft, um aus der Gewalt eines Mannes zu kommen, den er fürchtete, – und sein erstes Gefühl nach dem Abschlusse des Geschäftes war das innerer Beruhigung gewesen. Allein die Vorstellungen seiner Frau erweckten seine halb schlummernde Reue, und Tom's männliche Uneigennützigkeit hatte die Peinlichkeit seiner Empfindungen erhöht. Vergeblich sagte er sich, daß er ein Recht habe es zu thun, – daß Jedermann es thue, – und daß Viele sogar es thäten, ohne die Entschuldigung der Nothwendigkeit für sich zu haben, – sein Gefühl wollte sich dadurch nicht beruhigen lassen; und um nicht die traurigen Schlußscenen mit ansehen zu müssen, hatte er eine kleine Geschäftsreise in die Umgegend unternommen, in der Hoffnung, daß bei seiner Rückkehr Alles vorüber sein werde.