Legree gab dem Knaben einen Fußtritt und stieß Flüche gegen ihn aus; Georg aber drehte sich, ohne ein Wort weiter zu sagen, um, und schritt auf den Ort zu.
Tom hatte zwei Tage seit dem verhängnißvollen Abend da gelegen; nicht leidend, denn jeder Nerv des Leidens war abgestumpft und zerstört. Er lag meistens in einer ruhigen Betäubung; denn die Natur seines gewaltigen und kräftigen Körpers wollte den gefesselten Geist nicht auf einmal erlöschen. Es waren heimlich in der Nacht arme, trostlose Geschöpfe da gewesen, die sich etwas von ihrer kurzen Ruhe entzogen, um ihm einige der Liebesdienste zurückzuzahlen, mit denen er immer so freigebig gewesen war. Wahrlich, diese armen Schüler hatten wenig zu geben — nur eine Schale kaltes Wasser; aber es wurde mit vollem Herzen gegeben.
Thränen waren auf das ehrliche, empfindungslose Gesicht gefallen — Thränen später Reue aus den Augen der armen, unwissenden Heiden, die seine sterbende Liebe und Geduld zur Reue erweckt hatte, und bittere Gebete waren über ihm zu einem spät gefundenen Heiland gehaucht worden, von welchem sie kaum mehr als den Namen kannten, aber den das sehnende, unwissende Herz des Menschen nie vergebens anruft.
Cassy, die aus ihrem Versteck geschlichen war und durch Lauschen gehört hatte, welches Opfer für sie und Emmeline gebracht war, hatte ihn, der Gefahr der Entdeckung trotzbietend, in der vorigen Nacht besucht; und, von den wenigen letzten Worten bewegt, welche die liebevolle Seele noch Kraft zu hauchen hatte, war der lange Winter der Verzweiflung, das Eis von Jahren aufgethaut, und das finstere, verzweifelnde Weib hatte geweint und gebetet.
Als Georg in den Schuppen trat, fühlte er seinen Kopf schwer und sein Herz krank werden.
»Ist es möglich? — ist es möglich?« sagte er, indem er zu ihm niederkniete. »Onkel Tom, mein armer, armer alter Freund!«
Etwas in der Stimme drang zu dem Ohr des Sterbenden. Er bewegte sanft den Kopf, lächelte und sagte:
»Jesus macht ein Sterbebett
Weich wie Dunen-Kissen sind.«
Aus des Jünglings Augen fielen Thränen, welche seinem männlichen Herzen Ehre machten, als er sich über seinen armen Freund beugte.