Die Verfasserin hat viele Jahre lang an der Gränze der Sklavenstaaten gelebt, und vielfach Gelegenheit gehabt, solche Personen zu beobachten, die früher Sklaven gewesen waren. Sie sind Dienstboten in ihrer Familie gewesen, und haben, in Ermangelung einer andern Schule, häufig denselben Unterricht mit ihren Kindern genossen. Mit ihren Erfahrungen stimmen die Ansichten der in Canada unter den flüchtigen Sklaven lebenden Missionäre vollkommen überein, so daß die daraus zu ziehenden Folgerungen über die Bildungsfähigkeit des Geschlechts in hohem Grade ermuthigend sind.

Das erste Verlangen des emancipirten Negers steht in der Regel nach Unterricht. Es gibt nichts, was sie nicht willig geben würden, um ihre Kinder unterrichtet zu sehen; und so weit die Beobachtung der Verfasserin selbst geht, und das Zeugniß der Lehrer reicht, welche sie unterrichtet haben, besitzen sie eine ungewöhnliche Fassungsgabe. Die Ergebnisse der in Cincinnati für sie von wohlthätigen Individuen gegründeten Schulen bestätigen dies vollkommen.

Die Verfasserin läßt hier die nachstehenden Angaben rücksichtlich der jetzt in Cincinnati lebenden, emancipirten Sklaven folgen, und stützt sich dabei auf die Autorität des Professors C. E. Stowe, am Lane Seminar zu Ohio, um zu zeigen, was die diesem Geschlechte angehörigen Individuen, selbst ohne besonderen Beistand, zu leisten vermögen. Es sind hier nur die Anfangsbuchstaben der Namen gegeben, und sämmtliche hier angedeutete Personen wohnen in Cincinnati.

»B—. Tischler; zwanzig Jahre in der Stadt; besitzt an Vermögen zehn tausend Dollar, die er selbst erworben hat, und gehört der Baptisten Gemeinde an.

C—. Ganz schwarz; gestohlen in Afrika und in New-Orleans verkauft; ist seit fünfzehn Jahren frei; bezahlte selbst sechshundert Dollar für sich; ist Farmer, und besitzt mehrere Farmgrundstücke in Indiana; gehört der presbyterianischen Kirche an, und hat ein selbst erworbenes Vermögen von fünfzehn bis zwanzig tausend Dollar.

K—. Ganz schwarz; ist vierzig Jahre alt, Gütermäkler, seit sechs Jahren frei, und besitzt ungefähr dreißig tausend Dollar. Er bezahlte achtzehn hundert Dollar für seine Familie, ist Mitglied der Baptisten-Gemeinde, und empfing von seinem Herrn ein Legat, welches er in Acht genommen und vermehrt hat.

G—. Ganz schwarz, Kohlenhändler, dreißig Jahr alt; besitzt achtzehn tausend Dollar; bezahlte zweimal für sich, da er einmal um sechszehnhundert Dollar betrogen wurde; verdiente sein ganzes Vermögen durch eigne Anstrengungen, — und einen großen Theil davon während er Sklave war, indem er seine Zeit seinem Herrn abdung, und für sich selbst Geschäfte machte; ist ein hübscher Mensch von anständigem Aeußern.

W—. Drei Viertel schwarz; Barbier und Aufwärter, aus Kentucky; neunzehn Jahre frei; bezahlte für sich selbst und seine Familie drei tausend Dollar; besitzt zwanzig tausend Dollar, die er selbst erworben hat: ist Diakon der Baptistenkirche.

G. D—. Drei Viertel schwarz; Weißwäscher, von Kentucky gebürtig; neun Jahre frei; bezahlte fünfzehn hundert Dollar für sich und seine Familie; ist kürzlich sechszig Jahre alt gestorben, und besaß ein Vermögen von sechs tausend Dollar.«

Professor Stowe sagt: »Mit allen diesen, G— allein ausgenommen, bin ich viele Jahre persönlich bekannt gewesen, und gründe deßhalb meine Angaben auf eigne Wahrnehmung.«

Die Verfasserin erinnert sich deutlich einer alten, farbigen Frau, die als Waschfrau in der Familie ihres Vaters fungirte. Die Tochter dieser Frau heirathete einen Sklaven. Sie war eine außerordentlich thätige und geschickte junge Frau, welche durch ihren Fleiß, ihre Anstrengungen und die ausdauerndste Selbstverleugnung neun hundert Dollar sammelte, und an den Herrn ihres Mannes bezahlte. Es fehlten noch hundert Dollar am Preise, als er starb. Sie erhielt nie den geringsten Theil ihres Geldes zurück.

Es sind dies nur einzelne Thatsachen, einer großen Anzahl ähnlicher entnommen, die als Belege angeführt werden könnten, um zu zeigen, welche Selbstverleugnung, Energie, Geduld und Rechtlichkeit der frühere Sklave im Zustande der Freiheit besitzt. Und dabei vergesse man nicht, daß es diesen Individuen gelungen ist, sich verhältnißmäßigen Reichthum und eine gesellschaftliche Stellung zu erobern, während sie gegen Nachtheile und Entmuthigungen jeder Art zu kämpfen hatten. Nach den Gesetzen des Ohio Staates kann der Farbige nicht Wähler sein, und noch bis vor wenigen Jahren war ihm sogar versagt, Zeugniß in Prozessen gegen einen Weißen abzulegen. Auch beschränken sich diese Beispiele keineswegs auf den Staat Ohio allein; denn wir sehen jetzt in allen Staaten der Union Männer, welche, nachdem sie kaum die Fesseln der Sklaverei abgeschüttelt haben, durch eigene Kraft, die nicht genug bewundert werden kann, zu geachteten Stellungen in der Gesellschaft emporgestiegen sind. Pennington unter den Geistlichen, Douglas und Ward unter den Autoren sind wohl bekannte Beispiele.

Wenn dieses verfolgte Geschlecht, unter Nachtheilen und Entmuthigungen jeder Art, so viel erreicht hat, wie viel würde es dann vermögen, wenn die christliche Kirche im Geiste ihres Stifters gegen dasselbe handeln wollte!

Wir leben jetzt in einer Zeit, wo die Nationen zittern und in Krämpfen liegen. Andre Theile der Erde werden von einem gewaltigen Einflusse gehoben und erschüttert. Und ist Amerika sicher? Jede Nation, die große und ungesühnte Ungerechtigkeiten in ihrem Busen trägt, hat auch die Elemente zu diesen inneren Krämpfen in sich. Weßhalb erweckt jener mächtige Einfluß in allen Nationen und Sprachen die Seufzer nach Freiheit und Gleichheit, die nicht laut werden dürfen?