»Gut,« erwiederte St. Clare im Tone völliger Ergebung.
Miß Ophelia sandte einen Boten ab, und bald darauf wurden sämmtliche Dienstboten in das Zimmer geführt.
Eva lag ausgestreckt auf ihren Kissen, ihr Haar hing unbefestigt um ihr Gesicht, ihre purpurnen Wangen kontrastirten auf schmerzliche Weise mit der durchsichtigen Weiße ihrer Haut und den zarten Linien ihrer Glieder und Züge, und ihre großen, seelenvollen Augen richteten sich mit ernstem Ausdrucke auf jeden Einzelnen.
Die Dienstboten fühlten sich plötzlich ergriffen von ihrem Anblicke. Ihr geisterartiges Gesicht, die langen, abgeschnittenen Locken auf ihrem Schooße, ihres Vaters abgewandtes Gesicht und Marien's Schluchzen machten einen plötzlichen Eindruck auf die Gefühle dieser leicht erregbaren Menschenklasse, und während sie nach einander eintraten, sahen sie sich gegenseitig an, seufzten und schüttelten die Köpfe. Im ganzen Zimmer herrschte eine Stille, wie bei einem Begräbniß.
Eva richtete sich auf, und blickte lange und ernst um sich auf jeden Einzelnen. Alle sahen bange und traurig aus, und viele unter den Weibern bargen ihre Gesichter in den Schürzen.
»Ich habe euch Alle rufen lassen, meine lieben Freunde,« sagte Eva, »weil ich Euch lieb habe. Ich liebe Euch alle, und ich habe Euch Etwas zu sagen, an das Ihr Euch, wie ich wünsche, stets erinnern werdet. — Ich muß Euch verlassen; — in wenigen Wochen werdet Ihr mich nicht mehr sehen —«
Hier wurde das Kind durch einen allgemeinen Ausbruch von Seufzern, Stöhnen und Wehklagen unterbrochen, in denen ihre zarte Stimme vollständig verloren ging. Sie hielt einen Augenblick inne und fuhr dann in einem Tone fort, der das Schluchzen Aller verstummen ließ.
»Wenn Ihr mich lieb habt,« sagte sie, »so müßt Ihr mich nicht auf eine solche Weise unterbrechen. Hört, was ich Euch zu sagen habe. Ich wollte zu Euch über Eure Seelen reden. — Viele unter Euch, fürchte ich, sind sehr sorglos. Ihr denkt nur an diese Welt; aber ich bitte Euch, daran zu denken, daß es eine andere, schöne Welt gibt, wo Jesus ist. Dahin gehe ich, und dahin könnt Ihr gehen. Sie ist für Euch sowohl, wie für mich. Aber, wenn Ihr dahin gehen wollt, so müßt Ihr nicht ein träges, sorgloses und leichtsinniges Leben führen. Ihr müßt Christen sein. Ihr müßt bedenken, daß jeder von Euch ein Engel werden und für ewig bleiben kann. Wenn Ihr Christen sein wollt, so wird Euch Jesus helfen. Ihr müßt zu ihm beten, Ihr müßt lesen —«
Das Kind hielt hier plötzlich inne, blickte mitleidig auf die Umstehenden und fuhr dann traurig fort:
»O, Ihr Armen, Ihr könnt ja nicht lesen, — arme Seelen!« und sie verbarg ihr Gesicht in den Kissen und schluchzte, bis das unterdrückte Stöhnen derjenigen, zu denen sie sprach, und die knieend um sie her lagen, sie wieder erweckte.