»Tom, Du hast mich lieb,« sagte er.

»Bin bereit mein Leben zu lassen, heute noch, wenn Master wollte ein Christ werden.«

»Armer, thörichter Bursche!« sagte St. Clare, sich halb aufrichtend. »Ich bin der Liebe eines so guten, ehrlichen Herzens, wie Deines, nicht werth.«

»O Master, ich liebe Sie nicht allein, — der liebe Herr Jesus liebt Sie auch.«

»Wie weißt Du das, Tom?« sagte St. Clare.

»Ich fühle es in meiner Seele. O Master! ›die Liebe Christi, die viel besser ist denn alles Wissen.‹«

»Sonderbar!« sagte St. Clare, sich abwendend, »daß die Geschichte eines Menschen, der vor achtzehnhundert Jahren lebte und starb, noch jetzt so tiefen Eindruck auf die Gemüther machen kann. Aber er war kein Mensch,« fügte er plötzlich hinzu. »Nie hatte ein Mensch eine so lange dauernde und lebendige Kraft. O, daß ich glauben könnte was meine Mutter mich lehrte, und beten, wie ich es als Knabe konnte!«

»Wenn Master so gut sein wollte,« sagte Tom »Miß Eva las dies immer so wunderschön. Ich wünschte, Master wollte so gut sein und es lesen. Höre jetzt gar nichts mehr lesen, nun Miß Eva nicht mehr da ist.«

Es war das eilfte Kapitel Johannis, — die rührende Scene von der Wiedererweckung des Lazarus. St. Clare las laut, oft inne haltend, um gewisse Empfindungen niederzudrücken, die durch das Ergreifende der Schilderung erregt wurden. Tom kniete vor ihm mit gefalteten Händen, und mit dem innigsten Ausdrucke von Liebe, Vertrauen und Anbetung in seinem ruhigen Gesichte.

»Tom,« sagte sein Herr, »dies ist alles Wirklichkeit für Dich!«