8. Sarg und Mumie einer Sängerin des Amon (1,62 Meter lang), Namens Tanhirit.
9. Sarg des Richters und Schreibers Nibsoni.
10. Sarg der Prinzessin Nsi-chonsu (Mumie 1,66 Meter lang).
11. Drei Särge (eingeschachtelt) mit der Mumie (1,77 Meter lang) des Prinzen Zotptahefanch.
Schließlich drei Särge, deren einstige Besitzer sich nicht nachweisen lassen.
Während die Särge der ersten Gruppe fast gar keine Gegenstände des Totenkultus in ihrer Umgebung erkennen lassen, zeichnen sich die eben aufgezählten durch den Reichtum ihrer besonderen Ausstattung aus. Kisten voller Totenstatuetten, Spendenkrüge, Becher aus buntem Glase, Körbe voller Perücken, andere mit einbalsamiertem Fleische von Opfertieren, Früchte, Kanopen, Totenleinwand und vieles andere mehr ward neben und auf den einzelnen Särgen aufgefunden. Selbst eine einbalsamierte Gazelle, das Lieblingstier einer der Prinzessinnen, fand sich in einem Sargkasten in dem unterirdischen Verstecke vor.
Die sehr natürliche Frage, wie es komme, daß die Särge und Mumien der oben genannten Könige der ersten Gruppe, deren heute offen stehende Gräber von allen Reisenden in dem Königsgräberthale von Bab-el-meluk besucht und bewundert werden, in diesem unterirdischen Versteck neben den späteren Priesterkönigen der 20. Dynastie ihren letzten Ruheplatz gefunden haben, wird von Herrn Maspero scharfsinnig in einer Weise beantwortet, der man seine Zustimmung nicht versagen dürfte. Es ist bewiesen durch vorhandene schriftliche Zeugnisse, daß in den Zeiten der 20. Dynastie, zwischen 1200 und 1100 v. Chr., mit dem beginnenden Verfall der ägyptischen Großmacht die zunehmende Verarmung der einst so reichen Bevölkerung Thebens ganze Banden von Diebsgenossen erzeugte, welche es sich zur Aufgabe stellten, die Gräber der alten Könige zu öffnen, die Mumien derselben ihrer Schmucksachen zu berauben und die darin enthaltenen Gegenstände von Wert zu stehlen. Unter den letzten Ramessiden nahm diese Raublust bereits bedenkliche Dimensionen an. Die Diebe hatten sich in mehrere Gräber den Eingang zu verschaffen gewußt, daraus geplündert, was zu plündern war und selbst die Heiligkeiten der königlichen Leichen nicht geschont, indem sie dieselben in Stücke gebrochen oder mit sich fortgeschleppt hatten. Unter den Priesterkönigen stand das Diebsgewerbe in den Königsgräbern im höchsten Flor. Zeitweise wurden deshalb von den erwähnten Königen Kommissionen ernannt, welchen die Aufgabe zufiel, die Gräber zu untersuchen und die zerfallenen oder beschädigten Teile der Särge restaurieren zu lassen. Einzelne Inschriften auf den gefundenen Särgen der Könige der älteren Epoche bezeugen diese Thatsache ausdrücklich. Schließlich blieb nichts anderes übrig, als die Särge und Leichen der Pharaonen, welche sich in dem weit abgelegenen, schwer zu bewachenden Totenthale von Bab-el-moluk in ihrem ehemaligen Hypogeen befanden, nach der thebanischen Ebene zu überführen und sie in dem sehr wohlversteckten, wenn auch bescheidenen Familiengrabe der Priesterkönige in Deir-el-bahari ein für allemal vor Beraubung und Beschädigung zu schützen. Hier fanden die großen Pharaone mitten unter den einzelnen Mitgliedern der Familie der Priesterkönige drei Jahrtausende lang ihre Ruhestätte, bis auch sie wieder von den modernen Thebanern aufgespürt wurden, um zuletzt in gemeinsamer königlicher Gesellschaft die Wanderung auf dem Dampfer nach dem Museum in Bulak anzutreten.
Einer mehr als wunderbaren Fügung des Schicksals verdanken wir die Erhaltung und Auffindung der irdischen Überreste einer ganzen Reihe königlicher Personen, von denen mehrere durch ihren Ruhm die Welt erfüllt hatten und deren Gedächtnis bis zu den Zeiten des klassischen Altertums, wenn auch in sagenhaftem Gewande, treu bewahrt war. Ist auch der geschichtliche Gewinn, welcher mit diesem kostbaren Funde in Verbindung steht, kein so bedeutender, wie man ursprünglich zu erwarten berechtigt war, so müssen dennoch die aufgefundenen königlichen Leiber als geschichtliche Reliquien ersten Ranges gelten, denen sich der Sohn der Neuzeit nur mit höchster Achtung nahen sollte. Gegenüber den Mumien eines Thutmes III. und eines Ramses-Sesostris hört das Staunen auf und das Gefühl unbeschreiblichster Ehrfurcht tritt an seine Stelle. Alle Zeitunterschiede scheinen im Anblick jener leibhaftigen Gestalten wie ausgelöscht und man möchte den Historiker Lügen strafen, welcher erzählt, daß mehr als dreitausend Jahre uns von den Zeiten jener Könige trennen, deren Körper wir mit unseren Händen berühren.
Die Ägypter, wie ich zum Schlusse es noch ausführen möchte, waren durchaus keine Trappisten, wie man nach Schilderungen einzelner Schriftsteller des Altertums zu glauben berechtigt ist. Weil sie aber ein weises und kluges Volk waren, räumten sie der heiteren Seite des Daseins und den unschuldigen Freuden des Lebens einen weiten Platz neben dem Glauben an die feste Stütze ihrer Gottesverehrung und an die Fortdauer der menschlichen Seele nach dem Tode ein. Die fast übermütige Heiterkeit des Gemütes der alten Ägypter spricht sich deutlich in den Darstellungen und Inschriften aus, welche die Wände der Grabkapellen zu bedecken pflegten und welchen sämtlich der Gedanke zu Grunde lag, daß die Gottheit die Freuden des Daseins geschaffen habe, um sie während des Daseins zu genießen. Als der griechische Reisende Herodot um die Mitte des fünften Jahrhunderts v. Chr. Ägypten besuchte und im Verkehr mit den damaligen Bewohnern des Landes vielfach Gelegenheit hatte, ihre Sitten und Gewohnheiten kennen zu lernen, entging ihm nicht die eigentümliche Art und Weise, in welcher sie selbst bei den Gastmahlen zum Genuß der Lebensfreude sich auffordern ließen. „Bei den Gastgeboten ihrer Reichen,“ so erzählt der Grieche, „trägt ein Mann, wenn sie abgegessen haben, in einem Sarge ein hölzernes Totenbild herum; das ist sehr natürlich bemalt und gearbeitet und ist gewöhnlich eine Elle groß oder auch zwei Ellen und zeigt es einem jeglichen der Gäste und spricht: Betrachte diesen und dann trink und sei fröhlich, denn wenn du tot bist, so wirst du sein gleichwie dieser. Also thun sie bei ihren Gastgelagen.“
Als der griechische Genius die leuchtende Fackel der Aufklärung schwang und eine neue Welt und ein neues geistiges Leben den uralten Glauben der ägyptischen Altvorderen zurückdrängte in die steinernen Denkmäler der Vorzeit, da fand die Lehre von der Zukunft des Menschen ihren herbsten und trübsten Ausdruck in der oftmals ausgesprochenen Überzeugung von dem Ende des Daseins nach dem Tode ohne die fröhliche Hoffnung auf ein Fortleben in der Welt des Jenseits. Die Ägypter waren irre geworden an ihrem Glauben, denn das griechische philosophische Wissen hatte den Zweifel in ihre Herzen eintreten lassen. Die Inschriften dieser Zeit gestatten uns bisweilen Einblicke in die veränderte Anschauung von dem Leben nach dem Tode, die uns durch Form und Inhalt noch heutigen Tages auf das höchste überraschen müssen. Ich erinnere vor allem an den Schwanengesang einer vornehmen, schönen und geistvollen Ägypterin Namens Taimhotep, die im Alter von dreißig Jahren im Jahre 42 v. Chr. zu Memphis als die Gattin des Oberpriesters Paschirenptah gestorben war. Ihr eigener Bruder Imhotep, ein gelehrter Priester von derselben Stadt Memphis, widmete ihr ein besonderes Denkmal, welches gegenwärtig in Paris aufbewahrt wird. Die auf demselben befindliche Inschrift legt gegen den Schluß der verstorbenen Dame die folgenden an ihren hinterbliebenen Mann gerichteten Worte in den Mund: „O, mein Bruder und mein Gatte und mein Freund, du Oberpriester von Memphis! Höre nimmer auf zu trinken und zu schmausen, dich zu berauschen in süßer Minne und fröhliche Feste zu feiern. Handle nach dem Wunsche deines Herzens und laß nicht eintreten die Bekümmernis in deine Seele, so viel der Jahre du noch auf Erden weilen wirst. Denn der Westen (die Stätte der Toten) ist eine Welt voll Schlaf und Finsternis, ein schwerer Sitz für die Toten. Sie schlummern darin in ihrer leibhaftigen Körpergestalt und wachen nicht auf, um ihre Geschwister zu schauen. Sie erkennen nicht ihren Vater noch ihre Mutter und leer ist ihr Herz von der Sehnsucht nach ihren Weibern und nach ihren Kindern. Das lebendige Wasser auf Erden ist für jeden bestimmt, welcher darauf lebt. Nur ich durste nach dem Wasser, welches zu dem kommt, der auf der Erde weilt. Ich durste und das Wasser ist mir nahe, aber ich vermag nicht mehr zu erkennen, wo ich bin, seitdem ich betreten habe diese Grabeswelt.