Eilen Sie doch, Freund, daß das Manuscript von Schlegel gedruckt wird, um es durch die Colonne der dresdener Besatzung, die in den nächsten Tagen hier durchgehen wird, nach Frankreich zu bringen. Sie erhalten sonst nichts wieder von Schlegel. Warum haben Sie es nicht in Naumburg drucken lassen, da bin ich Censor!

Allerdings hatte Brockhaus auch bei dieser Schrift trotz ihres officiösen Charakters Censurnöthe, wie aus folgendem Schreiben hervorgeht, das er unterm 8. November an Freiherrn von Miltitz, Chef der Ersten Section des Generalgouvernements in Leipzig, richtete, denselben, gegen den er sich kurz vorher, am 28. October, schon über die Censur bei den »Deutschen Blättern« ohne Erfolg beschwert hatte:

Der Unterzeichnete hat die Ehre, Ew. Hochwohlgeboren ein Manuscript mitzutheilen, welches er per Stafette von Herrn A. W. von Schlegel, Geh. Cabinetssecretär Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen von Schweden, aus dem Hauptquartier des Letztern mit dem Auftrage erhalten hat, solches nebst einer deutschen Uebersetzung hier sogleich drucken zu lassen, und von beiden alsdann 100 Exemplare ins Hauptquartier Sr. königl. Hoheit wieder per Stafette an ihn zu senden. Ew. Hochwohlgeboren finden in den beiden Originalanlagen, den Briefen des Herrn von Schlegel, die Belege hierüber.

Der Unterzeichnete hat nicht gesäumt, dem politischen Censor Herrn Hofrath Brückner die gedachte Schrift zur Censur vorzulegen, welche dieser indessen ablehnt, und ihn dieserhalb an Ew. Hochwohlgeboren verweist.

Der Unterzeichnete erbittet sich daher das Imprimatur von Ew. Hochwohlgeboren oder, im Falle, daß es geweigert werden möchte, eine schriftliche Resolution, um sich mit dieser gegen Herrn von Schlegel (von dem in den Verhältnissen, worin er zu Sr. königl. Hoheit dem Kronprinzen von Schweden steht, anzunehmen, daß er diese Schrift nur mit der speciellsten Autorisation desselben zum Druck befördert) legitimiren zu können.

Da durch die zufällige Abwesenheit des Unterzeichneten diese Angelegenheit schon um mehrere Tage verspätet worden, so bittet er Ew. Hochwohlgeboren dringendst und ergebenst, ihm noch heute darüber eine Resolution mitzutheilen.

Die Schrift erhielt trotzdem nicht das Imprimatur der sächsischen Behörden, und Brockhaus ließ sie deshalb in Altenburg drucken, ohne sie dort erst nochmals dem Censor vorzulegen. Sie führt den Titel: »Remarques sur un article de la Gazette de Leipsic du 5 Octobre 1813«, und erschien gleichzeitig auch in einer deutschen Uebersetzung unter dem erweiterten Titel: »Ueber Napoleon Buonaparte und den Kronprinzen von Schweden, eine Parallele in Beziehung auf einen Artikel der Leipziger Zeitung vom 5. October 1813, von August Wilhelm Schlegel.« Verlagsort und Verleger sind auf beiden Ausgaben nicht angegeben. Eine 1814 erschienene »zweite vermehrte Auflage« der deutschen Ausgabe enthält einen mit B. (Brockhaus) unterzeichneten »Vorbericht des Herausgebers«, in welchem der betreffende Artikel der »Leipziger Zeitung« mitgetheilt und der Herzog von Bassano (Maret), Staatssecretär Napoleon's als dessen Verfasser bezeichnet wird.

Die beiden andern von Brockhaus noch vor dieser verlegten Schriften Schlegel's, die in des Letztern Briefe erwähnt sind, waren gleichfalls in französischen und deutschen Ausgaben ohne Angabe von Verlagsort und Verleger erschienen, unter den Titeln: »Considérations sur la politique du gouvernement danois. Par A. W. S.«, deutsch: »Betrachtungen über die Politik der dänischen Regierung. Von August Wilhelm Schlegel«, und: »Sur le système continental et sur ses rapports avec la Suède«, deutsch: »Ueber das Continentalsystem und den Einfluß desselben auf Schweden von A. W. S.«

August Wilhelm von Schlegel (geb. 1767, gest. 1845) begleitete bekanntlich, nachdem er seit 1809 als schwedischer Legationssecretär in Stockholm gelebt hatte, 1813 den Kronprinzen von Schweden nach Deutschland und war als dessen Geh. Cabinetssecretär besonders mit Abfassung von Proclamationen, Armeeberichten und politischen Broschüren, wie den eben erwähnten, beschäftigt.

Eine andere noch Ende 1813 bei Brockhaus erschienene Broschüre unter dem Titel: »Aufgefangene Briefe durch die leichten Truppen der verbündeten Heere. Französisch und Teutsch«, wurde nach Schlegel's oben mitgetheiltem Schreiben ebenfalls von diesem zusammengestellt und herausgegeben. Laut dem Vorwort sind es Auszüge aus mehrern tausend in einem französischen Felleisen vorgefundenen Briefen, das am 12. September 1813 auf der Straße von Leipzig nach Wurzen in die Hände von Parteigängern gefallen war.