Ein drittes journalistisches Unternehmen des jungen Verlegers neben der deutschen Monatsschrift und der holländischen Zeitung war, wie bereits erwähnt, eine französische Zeitschrift rein belletristischen Charakters: »Le Conservateur. Journal de littérature, de sciences et de beaux-arts.« Dieselbe trat Anfang 1807 ins Leben, war also ebenfalls schon im Laufe des Jahres 1806, gleichzeitig mit den beiden andern Zeitschriften, vorbereitet worden. Sie erschien in Monatsheften von acht bis zehn Octavbogen, wovon je drei einen Band mit besonderm Titel bildeten, und war somit äußerlich wie auch innerlich ganz wie die großen französischen Revuen unserer Tage, z. B. die »Revue des deux Mondes«, angelegt. Die Zeitschrift bestand anderthalb Jahre lang, bis Mitte 1808, sodaß im ganzen sechs Bände davon erschienen sind. Nur zwei derselben, der dritte und vierte Band, liegen uns vor, die zugleich wenigstens ein Inhaltsverzeichniß der ersten beiden Bände enthalten, während weder ein Prospect noch ein Vorwort oder Schlußwort vorhanden ist.
Den Inhalt dieser Zeitschrift bildeten historische (namentlich zeitgeschichtliche), biographische, kunstgeschichtliche und literargeschichtliche Abhandlungen; ferner Erzählungen, Novellen und Gedichte; drittens Berichte über neue literarische Erscheinungen und über die Theater von Paris und Amsterdam; endlich kleinere Artikel über Verschiedenes, »Variétés« genannt.
Unter den Mitarbeitern, die fast stets mit ihren Namen unterzeichnet sind, befinden sich die besten französischen Schriftsteller jener Zeit, wie Bonald, Boufflers, Chateaubriand, Chénier, Ch. de Dalberg, Despréz, Dubois, Guingené, Lacretelle, Lebrun, Legouvé, Mercier, Bernardin de Saint-Pierre, Charles de Villers u. s. w.
Diesen Namen entsprechend ist der Inhalt der Zeitschrift ein sehr gediegener, und manche Abhandlungen haben bleibenden Werth. Natürlich beschäftigt sich die Mehrzahl der Artikel mit Frankreich; indeß hat diese Zeitschrift ebenfalls einen entschieden internationalen Charakter, indem sie auch England, in zweiter Linie Holland und am meisten Deutschland berücksichtigt. Fast in jedem Hefte finden sich Artikel aus oder über Deutschland. So bringt gleich das erste Heft einen Brief des Professor Erhard über eine Audienz der Deputirten der Universität Leipzig bei dem Kaiser Napoleon. In demselben Hefte beginnt Charles de Villers (der später in nähere Beziehungen zu Brockhaus trat) eine sich durch drei Hefte erstreckende Abhandlung über die wesentlich verschiedene Weise, wie die französischen und die deutschen Dichter die Liebe behandeln, wozu später noch ein Nachtrag kommt, der durch eine Tabelle erläutert wird. Ferner schreibt Charles de Dalberg, »Prince-Primat de Germanie«, über den Einfluß der schönen Künste auf das allgemeine Wohlbefinden. Später folgt eine Beschreibung der Düsseldorfer Galerie als Bruchstück einer noch nicht veröffentlichten Reise, ohne Namensnennung. Daran schließt sich der Abdruck einer von dem »historiographe prussien« Johannes von Müller am 20. Januar 1807 in der berliner Akademie gehaltenen Rede über den Ruhm Friedrich's des Großen. Im Aprilhefte von 1807 erschien auch zuerst der später als besondere Schrift gedruckte (und von uns noch näher zu erwähnende) Brief von Charles de Villers an die Gräfin Fanny von Beauharnais über die Ereignisse in Lübeck am 6. November 1806, der Villers viele Unannehmlichkeiten bereitete; er schildert darin offen die von seinen Landsleuten bei der Erstürmung Lübecks begangenen Greuel. Vielleicht als Gegengewicht gegen diesen Aufsatz ist in demselben Hefte eine von Villers angefertigte Uebersetzung der Rede enthalten, welche der bekannte Kirchenhistoriker Henke am 2. December 1806 zur Jahresfeier der Krönung des Kaisers Napoleon in der Universitätskirche zu Helmstedt hielt.
Ehe wir uns den übrigen Verlagsunternehmungen von Brockhaus in dieser Zeit außer den drei journalistischen zuwenden, mögen noch zwei Briefe desselben an seinen Bruder Gottlieb einschaltet werden.
Der erste ist der schon oben erwähnte vom 25. Februar 1806, den er aus Anlaß der Geburt seines dritten Sohnes schrieb:
Hermann, lieber Bruder, so heißt das Schäflein, womit der Himmel unsere kleine Heerde wieder vermehrt hat. So hieß der Edelste der Deutschen! Wir müssen uns ja jetzt wohl an Namen halten! Wo sind jetzt Männer unter unserer Nation? Oder vielmehr unter unsern Fürsten? Würden wir sonst die Schmach kennen, die jetzt schwer beladen auf uns liegt? O der schändlichen Rolle Preußens! Freilich für die Menschheit ist es gut, daß Bonaparte mit seiner Herkuleskeule die Pinsel und Knaben mit einem Schlage dahingestreckt hat. Wie würde Deutschland von zahllosen, sich immer neu recrutirenden Armeen von Kosacken, Kalmucken, Kroaten, italienischen und französischen Völkern zerrissen, geplündert und zerfleischt worden sein, wenn die Vortheile der Armeen sich balancirt hätten und nicht Schläge wie die von Ulm und Austerlitz gefallen wären. Aber Deutschlands Ehre? — sie ist zernichtet. Unnennbar groß ist aber Bonaparte geworden! Es ist wirklich fast kein Mensch, es ist ein Halbgott. Wäre er immer, was er zu zeiten ist, als Mensch, denn über ihn als Krieger und Regenten kann nur eine Stimme sein, wer würde ihn nicht unbedingt verehren, ja vor ihm niedersinken?
Verzeih diese Digression, zu dem der Name meines kleinen Hermann mich verleitet.