Hassan. Von rauher Hand versetzt in fremden Boden,
Hat welken müssen solche zarte Lilie.
Almansor. In Trauerkleidern reisten wir von dannen,
Und schlossen uns an jene Karawanen,
Die nach dem heil'gen Mekka gläubig wallen.
In Yemen, in dem Land der Stammesbrüder,
Schloß auch Abdullah die verweinten Augen,
Und schlummerte hinüber nach der Heimat,
Wo kein Ximenes, keine Isabella.
Hassan. Und gibt es in Arabien keine Örter,
Wo man den toten Vater kann beweinen?
Almansor. O, kenntest du die Qual des Ruhelosen,
Den unsichtbare Flammengeißeln treiben!
Noch einmal wollt' ich küssen Spaniens Boden —
Hassan. Und bei Gelegenheit Zuleimas Lippen.
Almansor (ernst). Des Vaters Diener ist nicht Herr des Sohnes
Drum, bittrer Hassan, laß dein bittres Deuteln.
Ja, ich bekenn' es, nach Zuleima schmacht' ich,
Wie nach dem Morgentau der Sand der Wüste.
Noch diese Nacht geh' ich nach Alys Schloß.
Hassan. Geh nicht nach Alys Schloß! Pestörtern gleich
Flieh jenes Haus, wo neuer Glaube keimt.
Dort zieht man dir mit süßen Zangentönen
Aus tiefer Brust hervor das alte Herz,
Und legt dir eine Schlang' dafür hinein.
Dort gießt man dir Bleitropfen, hell und heiß,
Aufs arme Haupt, daß nimmermehr dein Hirn
Gesunden kann vom wilden Wahnsinnschmerz.
Dorten vertauscht man dir den alten Namen,
Und gibt dir einen neu'n, damit dein Engel,
Wenn er dich warnend ruft beim alten Namen,
Vergeblich rufe. O, betörtes Kind,
Geh nicht nach Alys Schloß! — du bist verloren,
Wenn man in dir Almansorn wiedersieht!
Almansor. Besorge nichts; denn niemand kennt mich mehr.
Mein Antlitz trägt des Grames tiefe Furchen,
Getrübt von salz'gen Tränen ist mein Aug',
Nachtwandlerartig ist mein schlanker Gang,
Gebrochen, wie mein Herz, ist meine Stimme —
Wer sucht in mir den blühenden Almansor?
Ja, Hassan, ja, ich liebe Alys Tochter!
Nur einmal noch will ich sie schaun, die Holde!
Und hab' ich mich noch einmal süß berauscht
Im Anblick ihrer lieblichen Gestalt,
In ihre Augen meine Seel' getaucht,
Und schwelgend eingehaucht den süßen Odem; —
Dann geh' ich wieder nach Arabiens Wüste,
Und setze mich auf jenen steilen Felsen,
Wo Mödschnun saß und Leilas Namen seufzte! —
Drum sei nur ohne Sorge, alter Hassan,
Im span'schen Mantel geh' ich, unbemerkt
Und unerkannt, im ganzen Schloß herum,
Und meine Bundgenossin ist die Nacht.
Hassan. Trau' nicht der Nacht, sie birgt im schwarzen Mantel
Viel arge Fratzenbilder, Molch' und Schlangen,
Und wirft sie heimlich hin vor deine Füße.
Trau ihrem bleichen Buhlen nicht, der droben
Liebäugelnd aus den Wolken niederblinzelt,
Und hämisch bald, mit schrägen, fahlen Lichtern,
Die Schreckgestalten deines Wegs beflimmert.
Trau' nimmer ihrer Bastardbrut dort oben,
Den goldnen Kindlein, die so munter funkeln,
Und freundlich tun, und liebeschmeichelnd nicken,
Und dennoch, wie mit tausend glühnden Fingern,
Am Ende spöttisch auf dich niederdeuten.
Geh nicht nach Alys Schloß! Am Eingang sitzen
Drei dunkle Fraun, und harren deiner Rückkehr;
Um würgend dich mit Inbrunst zu umarmen,
Im Liebeskuß dein Herzblut auszusaugen!
Almansor. Wirf hemmend dich in eines Mühlrads Speichen,
Dräng mit der Brust zurück des Stromes Flut,
Halt mit den Armen auf des Bergquells Sturz, —
Doch halte mich nicht ab von Alys Schloß.
Dort zieht's mich hin mit tausend Demantfäden,
Die sich verwebt in meines Hirnes Adern,
Und in den Fasern meines Herzens; — Hassan,
Schlaf wohl! mein altes Schwert ist mein Begleiter.