Don Enrique (kleinlaut). Ihr Vater nicht?

Aly (lächelnd). Seid ohne Sorge, Sennor.
Urkundlich und durch Testamentes Kraft
Hab' ich sie anerkannt als eigne Tochter.
Jetzt, Sennor, seht Ihr wohl, warum nur Clara
Verfügen konnte über ihre Hand.
Doch merkt's Euch, niemand hier, sie selber nicht,
Kennt dies Geheimnis.

Don Enrique. Sennor, staunen muß ich —

Aly. Mitteilen aber muß ich's Euch, dem Bräut'gam.
Doch erst gelobt mir, daß Ihr es verschweigt,
Sogar vor Eurer Braut, damit ich ihr
Den großen Schmerz erspare, und die Ruh'
Aus ihrem süßen Herzchen nicht verscheuche.

Don Enrique (gibt ihm den Handschlag). Mit meinem Ritterwort' gelob' ich Schweigen.

Aly. Ihr wißt, ich hieß nicht immer Don Gonzalvo.

Don Enrique. Nicht minder schön und herrlich war der Name,
Den jedermann Euch gab, dem guten Aly.

Aly. Ja, ja! den guten Aly nannt' man mich!
Doch hätt' man mich mit besserm Recht genannt:
Den Glücklichen. Denn Aly war einst glücklich,
Durch Freundschaft und durch Liebe.

Einen Freund,
Den seltensten der Schätze, gab mir Gott.
Und auch ein Weib, ein Weib, so schön, so mild —
Nein, Sünde ist es, sie ein Weib zu nennen —
Ein Engel lag an meinem sel'gen Herzen;
Und auch noch Vaterfreuden sollt' ich fühlen.
Mein holdes Weib gebar mir einen Knaben;
Sie selber aber wurde bleich und bleicher, —
Und starb.

Da goß der Freund mir Trost ins Herz,
Und da sein Weib, just zu derselben Zeit,
Ein Töchterchen gebar, hat diese Gute
Zu sich genommen mein verwaistes Kind,
Und großgesäugt und mütterlich gepflegt.
Doch als ich wieder zu mir nahm ins Schloß
Den Schmerzensohn, ergriff bei seinem Anblick
Mich jedesmal aufs neu' der alte Schmerz
Ob seiner toten Mutter. Dieses merkte
Mein kluger Freund, und einst sprach er zu mir:
Was dünkt dir, Aly, wenn wir unsre Kinder
Schon jetzt als Braut und Bräutigam verlobten,
Um unsre Freundschaft fester noch zu gründen?
Laut weinend fiel ich in des Freundes Arm,
Und in derselben Stunde ward beschlossen:
Daß ich des Freundes Tochter zu mir nehmen,
Und unter Ammenleitung hier im Schlosse,
Selbst auferziehen sollt', damit ich selbst
Dem eignen Sohn ein wackres Weib erziehe,
Und daß mein Sohn erzogen werden sollte
Von meinem Freund', damit er selber bilde
Den künft'gen Eh'mann seiner einz'gen Tochter.
Und dies geschah.