Es ist etwas Sinnvolles, daß der Dichter des „Almansor“ der das stimmende Abendrot mit in das Spiel eingreifen ließ, dessen „Ratcliff“ in schauerlich-pittoresken szenischen Effekten gedichtet ist, am Ende sich in dieser Form der musikalisch-malerischen Pantomime äußert; was ihn hier reizt, ist dasselbe, wodurch er sich anfänglich zu dramatischen Produktionen veranlaßt fühlte: nämlich die Eigenschaft des Dramatischen, daß es durch Gegenwart bewegter Gestalten, durch bedeutende Hintergründe und Beleuchtungen unmittelbar auf das Gefühl wirkt. Dies ist aber nur eine Seite des Dramatischen; wenn dramatischer Dichter sein heißt, den Streit der Dinge so fühlen, daß man ihn in seiner ganzen Verfänglichkeit, mit Blut und Schmerzen, in sich heraufbeschwören muß, so war Heine es nicht. Er verstand selber ausgezeichnet zu streiten, er konnte tödlich lächeln und sich entrüsten, aber der Streit blieb ihm immer das Unvernünftige, das Schlechte; das, was zwischen Vernünftigen und Guten vermeidbar wäre: was jenseits von aller Vernunft, jenseits auch von Böse und Gut den Einzelnen in sein Schicksal verwickelt, hat niemals sein Denken gebannt.

Erwin Kalischer.

Almansor

Eine Tragödie


Glaubt nicht, es sei so ganz und gar phantastisch
Das hübsche Lied, das ich euch freundlich biete!
Hört zu: es ist halb episch und halb drastisch,
Dazwischen blüht manch lyrisch zarte Blüte;
Romantisch ist der Stoff, die Form ist plastisch,
Das Ganze aber kam aus dem Gemüte;
Es kämpfen Christ und Moslem, Nord und Süden,
Die Liebe kommt am End' und macht den Frieden.

Das Innere eines alten, verödeten Maurenschlosses. Durch die Seitenfenster fallen Strahlen der untergehenden Sonne. Almansor allein.