Abb. 27. Das Saalburg-Kastell. Wiederaufgebaut. Porta Praetoria. (Zu [Seite 36].)
Eine bedeutende römische Ansiedelung konnte Moguntiacum erst werden, als die römische Grenzlinie nach der Eroberung des Taunuslandes weiter nach Norden vorgeschoben wurde und die Stadt nunmehr auch die nötige Sicherheit und Ruhe für andere Ansiedler bot. Die Erbauung des Castellum Mattiacum auf der rechten Seite an der Stelle, wo heute Kastel liegt, rückte Mainz in die zweite, ja nach Errichtung des Limes oder Pfahlgrabens (vgl. eine spätere Stelle in diesem Abschnitt) sogar in die dritte Verteidigungslinie. Über den Rhein wurde eine feste Brücke geschlagen, deren steinerne Pfeiler auf einem Pfahlrost ruhten und eine hölzerne Brückenbahn trugen. Als im Jahr 1880 an der nämlichen Stelle der Bau der neuen festen Rheinbrücke begonnen wurde, stieß man auf die Eichenpfähle, die von den Römern in den Strom gesenkt worden waren. Es war ein glücklicher Gedanke, aus diesen Resten ein geschichtliches Andenken zu gestalten. Es wurde aus ihnen ein Pfeiler der alten Römerbrücke rekonstruiert, der im Hofe des erzbischöflichen Schlosses Aufstellung fand. Nach Fundstücken konnte auch festgestellt werden, daß das großartige Bauwerk während der Regierungszeit des Kaisers Domitian um das Jahr 89 n. Chr., und zwar durch die vierzehnte und zweiundzwanzigste Legion aufgeführt wurde. Als im dritten Jahrhundert die germanischen Stämme der Alemannen und Franken ihre verheerenden Einfälle in das Römergebiet unternahmen, wurde die Brücke zum Schutze der Stadt Mainz zum Teil abgebrochen. Unter Diokletian fand aber ihre Wiederherstellung statt. Ihre endgültige Zerstörung fällt wohl in die Zeit nach Valentinian.
Abb. 28. Nauheim.
Nach Luib, Der Taunus. Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung in Frankfurt a. M. (Zu [Seite 38].)
Abb. 29. Kronberg.
Nach Luib, Der Taunus. Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung in Frankfurt a. M. (Zu [Seite 38].)
Mainz war Sitz des römischen Statthalters von Obergermanien und daher auch der Verwaltung mit zahlreichen Beamten. Die Zivilisten, die Händler und der Troß des Heeres wohnten vor der Stadt. Auch die entlassenen Soldaten, die sog. Veteranen, schlugen daselbst ihr Heim auf, nachdem sie sich mit eingeborenen Frauen verheiratet hatten. Die Kolonie, die auf diese Weise heranwuchs, erhielt erst unter Diokletian, nach 293, Stadtrechte und ward von da ab Civitas genannt.
Abb. 30. Friedberg.
Nach Luib, Der Taunus. Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung in Frankfurt a. M. (Zu [Seite 38].)
So fluten die Erzählungen der ältesten Geschichte von Mainz durch unsern Geist, wie dort unten die Wogen des Stromes sich drängen, die da kommen und gehen und keine dauernde Gestalt annehmen, oder wie die Rheinnebel aus dem Strome aufsteigen, die den Glanz des Goldenen Mainz verdunkeln wollen. Vierhundert Jahre dauerte die Herrlichkeit der Römerherrschaft, dauerte auch die Herrlichkeit des römischen Mainz. Die über den Limes, über den Rhein drängenden Germanen legten es in Trümmer. Aus dem Dunkel der Geschichte taucht dann das Mainz des Mittelalters, fast glänzender noch als das der Römerzeit, auf. Zwar melden glaubwürdige Nachrichten, daß die Anfänge des Christentums bis ins vierte Jahrhundert, bis zum Jahre 368 zurückreichen. Aber erst im achten Jahrhundert gewann das christliche Mainz wieder eine beherrschende Stellung in der neu sich bildenden Kulturwelt. Der heilige Bonifatius (Winfried, gest. 755) erhob das dortige Bistum zu einem Erzbistum und verlieh dem neuen Erzbischof zugleich das Primat über ganz Deutschland. Durch das ganze Mittelalter hindurch behielt die Stadt eine hohe, besonders politische Bedeutung. Ihre zentrale Lage in dem damaligen Deutschland ermöglichte es den Erzbischöfen von Mainz, die zugleich zu den sieben Wahl- oder Kurfürsten des Deutschen Reiches gehörten, enge Beziehungen nach allen Seiten zu unterhalten. Ihr Einfluß war unter den deutschen Fürsten daher sehr groß. Die Stadt selbst wußte sich die Rechte einer freien Reichsstadt zu sichern. Im Jahre 1254 wurde in ihren Mauern der deutsche Städtebund zur Sicherung des Landfriedens gegründet. Derselbe umfaßte während seiner kurzen Blütezeit über 100 Städte von Basel bis zum Meere. Mainz war sein Haupt. Der Handel der Stadt blühte mächtig auf, ihr Reichtum wuchs, und mit Recht hieß sie das „Goldene Mainz“. Zwei Jahrhunderte dauerte diese Zeit der Hauptblüte. 1462 verlor Mainz seine meisten Rechte. Die frühere freie Reichsstadt wurde jetzt den Erzbischöfen untertan, und über ihr thronte, Gehorsam fordernd, die kurfürstliche Burg.