„Ich glaube, wir könnten den kleinen Mann doch noch aufnehmen, Elli,” sagte Marga dann gelassen und fest. Nur ihr bewegterer Atem ließ eine vorausgegangene Erschütterung erraten. „Meine Schwester hat wohl vergessen, daß heute morgen ein Mädchen abgemeldet wurde. Es wird gehen, nicht wahr, Elli? Wenn Sie uns den Jungen anvertrauen wollen, bitte ich darum, gnädige Frau!” Sie sprach jetzt so klar und korrekt, als gelte es eine abgemachte, rein geschäftliche Sache höflich zu beendigen.
Alice war nicht leicht zu verblüffen. Aber diese Ruhe und sanfte Bestimmtheit, wo sie eine pikante, demütigende Verwirrung erwartet hatte, war so sehr der Gegensatz ihres eigenen zerfahrenen Wesens, daß sie eine gewisse Verlegenheit nicht unterdrücken konnte.
Mit einem höflichen „Ich danke Ihnen, ich werde meinen Jungen morgen schicken,” verbeugte sie sich und nahm den Kleinen bei der Hand.
Vor der Tür drehte sie sich noch einmal um.
„Um wieviel Uhr doch gleich?” fragte sie mit einer halben Wendung des Gesichts, mit dem wiedergewonnenen Ausdruck ihrer unzerstörbaren Nonchalance, der zeigte, daß ihre Gedanken über dies Intermezzo schon hinwegeilten.
„Im Sommer um neun Uhr,” gab Marga zurück.
Als sich die Tür hinter Alice Perthes geschlossen, stürzte Elli außer sich an Margas Hals.
„Aber Margakind! Was hast du da gemacht?! Wie konntest du diese abscheuliche Person, die ich glücklich abgewimmelt hatte, diesen verzogenen, ungebärdigen Bengel von einem Jungen — ich versteh' dich nicht! Ich mache nicht mit! Ich will nicht! Wie konntest du nur?” Sie zitterte vor Aufregung und Empörung.
Marga zog sie mit einem verlorenen Lächeln noch enger an sich.
„Verstehst du das wirklich nicht, Kleinchen?” fragte sie leis.