Und nachdem er aufgetrumpft hatte und um sich gedroht in seiner Einsamkeit, kam es endlich doch so, daß er sich hinbeugte und weinte. Auch er, wie jene Fremde, weinte, weil wir zu sterben nicht wagen, zu sterben nicht einmal wünschen, wennschon wir erkannt haben. Beweine uns Armen, und auch die Reichen! Du wendest nicht ihr Geschick, und unser Elend ist unsterblich. Herausgerissen diese aus den Logen des Übermuts, werden andere sich hineinsetzen. Die Armut aber ist mehr, viel mehr, als ein Gesetz der Wirtschaft; die Seele will sie.
Nie hatte er sich so schwach gefühlt, — da sprachen draußen vor dem Hause bekümmerte Genossen ihn an. Sie hatten, nach der ersten Üppigkeit, nun weniger mit der Gewinnbeteiligung als früher ohne sie. Das Geschäft ging reißend zurück. Sie waren betrogen und darbten wie nie. Herbesdörfer verlangte den Ausstand, Polster wollte noch hoffen; wer sie hetzte, war Gellert. „Bedankt euch bei dem Balrich! Er hat euch die Gewinnbeteiligung verschafft, er bringt euch noch weiter fort!“
Balrich zuckte auf, er wollte rufen: „Der Alte sinnt nur, euch zu verkaufen!“ Aber er selbst? Worauf hatte er selbst schon gesonnen? . . . Er stammelte demütig:
„Ich habe mich wohl geirrt und es falsch gemacht. Wollt ihr, so gehe ich und bitte den Heßling, er möge es sein lassen wie früher.“
„Das wird uns helfen!“ murrten sie.
„Er verhöhnt uns noch!“ stieß wie einen Tierlaut der Herbesdörfer hervor. Sie drängten Balrich in den Feldweg, wo das Automobil des Generaldirektors sich bereit gehalten hatte, damals für den Fackelzug. Der Jauner war da und stieß mit. Gegen die Mauer warfen sie den Verlassenen, sprangen zurück und hoben Steine auf. Nach demselben Stein griffen Herbesdörfer der Fanatiker und der Spitzel Jauner. Balrich hielt still und wartete. Aber Polster mit Dinkl riß ihre schon erhobenen Arme herab.
Balrich trat wieder unter sie, mit der festen Miene, die sie kannten.
„Sogar jetzt noch bin ich mit euch. Euer Recht habt ihr abgelegt und mich verlassen.“
„Wenn unsere Kinder Hunger leiden! Ein feines Recht!“
Polster, vernünftig und breitbeinig, faßte ihr Geschrei in richtige Worte.