Sie sprang auf. „Ich wußte es! Ich habe dich erwartet, du sollst nun essen.“ Und als sie ihm am Tisch gegenübersaß: „Die ganze Zeit habe ich Angst gehabt, jetzt nicht mehr. Alles ist gleich, solange wir beisammen sind.“

Er hatte gegessen, sie schob ihren Stuhl neben seinen. An seine Schulter gelehnt: „Weißt du noch, wie wir als Kinder in einem umgeworfenen Faß saßen? Es war unser Haus, wir warteten auf den Mann aus dem Wald, der uns holen wollte. Ich hatte große Furcht, aber wie tapfer warst du, ich hoffte nur auf dich.“ Sie machte ihr mit dem Leben bekanntes Gesicht. „Jetzt können wir wieder so spielen. Der Mann aus dem Wald kommt mich zu holen, — oder hat er mich schon geholt. Aber du kannst mir nicht helfen, sie werden dich fangen.“

„Sie werden mich nicht fangen.“

„Du bist schön, wenn du das sagst. Du bist das Beste von mir, ich werde wohl nie jemand lieb haben, nur dich, immer und wo ich auch ende.“

Plötzlich sah er den Koffer, der dastand. „Sie schicken dich fort! Sie drohen dir! Alles um meinetwillen.“

„Du aber duldest für mich,“ sagte sie feierlich. Beide schwiegen . . . Da zuckte sie zusammen, sie horchte. Schnell ausgedreht die Lampe; „sie sind wieder da;“ — und zurück mit ihm in das letzte Zimmer. „Du mußt nun fort.“ Im Fieber des letzten Augenblicks: „Lauf! Aber die Reichen sind schneller. Auch ich werde ins Gefängnis kommen durch sie. Ich werde durch sie immer schlechter werden. Vergiß nur du nicht, wer ich war!“ An seinem Hals: „Ich war deine Schwester.“

Hinaus, sie klingelten schon. Der Bruder sah noch die Tür sich schließen vor ihrem Gesicht. Er fühlte: noch seh’ ich sie, noch, noch. Da sah er sie nicht mehr.

Er sprang aus dem Fenster, entkam über eine Mauer und durch dunkle Gärten ins Freie. Vor dem Stadttor aus der Kaserne rückte die Truppe aus, er wußte wohin. Er ließ sie voran und wandte sich laufend nach Beutendorf. Von weitem loderte ein Schein in der Nacht, und von Beutendorf läuteten sie. Nun stand das Feuer seitwärts ihm gegenüber. Läufst du jetzt darauf zu, wohin kommst du? Er wußte es schon, wohin, und er lief. Von weitem, im Licht des Brandes, sah er etwas sich bewegen, wie eine wandelnde Mühle: Klinkorum, der um sein brennendes Haus her die Arme durch den Himmel drehte. Als Balrich unversehens hinter dem Hause C hervorkam, riß jemand aus, am Boden, wie ein Hase. Aber bei dem Aufflammen des Balkons, der grade stürzte, erkannte Balrich den Hasen; es war Jauner, der Spitzel, Dieb, Verräter und Brandstifter.

„Seht ihn laufen!“ rief er den Dinkls zu; sie saßen auf gerettetem Plunder am Grabenrand, starrten in den Brand und wandten sich nicht um. Der alte Gellert aber, mit nichts Gerettetem als einer Flasche, schwenkte sie drohend. „Niemand läuft! Gefälligst läuft niemand!“

Balrich ließ den Betrunkenen, er sagte zu Klinkorum, der herbeiirrte: „Der Brand kommt dem Heßling sehr gelegen. Ihnen muß er jetzt nichts mehr zahlen, — und dann mein Brief. Er denkt, dort brennt der Brief, der ihn enteignen soll.“