„Solche nicht!“ schrie plötzlich Buck, — worauf es eine Zeitlang still blieb. Balrich schlich noch leiser, von Nüchternheit ergriffen. Wie kam er hierher? Was hatte er gewollt, welcher Fingerzeig war ihm gegeben? Die Herren dort hatten ihre Welt, nichts wußte man. War, was ihm im Kopf saß, nicht ein Schwindel des alten Gellert? Oder er selbst hatte geträumt?
Aber die Herren stritten weiter — ein richtiger Streit. Heßling nannte seinen Schwager einen Schöngeist und Verteidiger in Majestätsbeleidigungsprozessen, den richtigen Sohn und Erben eines alten Achtundvierzigers. Sein Gesinnungswechsel sei ihm bezahlt worden, als Heßling ihm seine Schwester gab. Buck habe kein Recht mehr auf Widerstand, auf diese gewisse unernste Ironie, die das freundschaftliche Beisammenwohnen in Villa Höhe eines Tages gefährden und ihn brotlos machen könne . . . Worauf Buck von Manövern sprach, gewissenlosen Treibereien, einem Ende mit Schrecken, und wer bezahle dann?
„Wir nicht!“ rief Heßling und lachte.
„Nein, alle,“ rief Buck. Aber Heßling hielt ihm seine Schulden vor, da gab er klein bei.
Der Arbeiter hinter ihnen fühlte sich unheimlich verstrickt in eine Nacht der Verschwörungen, — und wer weiß welches Massensterben konnte hervorgehen aus dem tückischen Gemächt dieser beiden Bourgeois, die einander doch haßten! Denn einig sind sie nur gegen uns; untereinander möchten sie sich umbringen. Behandeln wir sie doch nur so, wie sie einander! Mut! und sieh, was für arme Menschen, die Furcht haben voreinander — und auch vor uns, wenn es Nacht ist und die Soldaten schlafen. Nur angreifen! Haft du gegen sie Waffen, und sei es die schlechteste, schäme dich nicht! Balrich dachte: „Ein armer Herr!“ und meinte Buck. Der war der schwächere, zuerst an ihn! Einschüchtern, erpressen — was wäre denn unerlaubt gegen eine Verbrechergesellschaft.
Schon begannen die Laternen der Vorstadt, dem Heßling kam wohl der Mut, er sagte zu seinem Begleiter: „Magst du nicht weiter, keine Umstände!“ Und Buck, nach einem Gruß mit dem Hut, kehrte allein um.
Balrich in langen Sätzen sprang zurück bis wo es dunkel war, und hinter Ästen, die er herabzog, wartete er. Es dauerte lange, Buck kam daher, watschelnd und barhäuptig, schwenkte seinen Hut und sprach mit sich selbst. Mehrmals blieb er stehen, und obwohl er den Wind im Gesicht hatte, wischte er sich den Schweiß. „Ich kann nicht länger!“ sagte er, wie beschwörend. „Ich bin der am schwersten Belastete, der Verräter, Gott strafe zuerst mich!“
Da sah er auf, die Strafe nahte schon. Zweige schnellten, und ein Mensch trat vor ihn hin. Buck wartete; da der andere nichts äußerte, sagte er selbst: „Guten Abend.“
„Auweh,“ dachte Balrich, „es ist gefehlt.“ Und Zorn kam ihm gegen Dinkl, den Prahlhans, der behauptete, sie schliefen immer und mit einem Finger könne man sie umwerfen. Jetzt fragte Buck:
„Sie sind wohl erschrocken?“ — und seiner milden Stimme war es anzuhören, daß er im Dunkeln ein spöttisches Lächeln aufgesetzt hatte. Balrich sagte heiser: