„Dann ist es noch schlimmer als ich dachte,“ murmelte Heßling. Napoleon Fischer verstand nicht.
„Was soll dahinter sein? Hat er Macht? Ich bin Machtpolitiker. Entweder hat er Macht oder er hat keine Macht, der Rest ist Mumpitz.“
Napoleon schrie schon wieder. „Und außerdem regnet es,“ bemerkte Heßling. „Kommen Sie mit, und halten Sie den Mund, bis ich Sie wieder loslasse.“
Er ließ ihn erst los, als sie sich in einem Waggon befanden, draußen auf freiem Feld. Zwischen Lumpen hockten sie beisammen, die politischen Gegner, raunend, wie sonst hier die obdachlosen Liebenden. Und wie einst Balrich mit Thilde, wurden sie aufgeschreckt durch Schläge gegen die Wagenwand und krochen hervor, beleuchtet von dem Aufseher, — der Reißaus nahm. Aber auch sie schlugen sich schleunigst in das feuchte Dunkel.
Wie nach seiner Nachtarbeit der Arbeiter Balrich hervorkam, trat ihm der Genosse Fischer entgegen und begann ihn zu loben für seine Vernunft und seinen Fleiß. Wenn er selbst sich dereinst von den Gesch —, das heißt vom politischen Leben zurückziehe, wer weiß, ob nicht die Partei ihr Augenmerk auf einen Genossen richten werde, der es gleich ihm, Fischer, vom einfachen Arbeiter durch eigene Kraft zum höher Gebildeten gebracht habe.
„Das ist gewiß das Ziel, das Sie heimlich vorhaben,“ vermutete der Abgeordnete gespannt. Balrich sagte:
„Das möchten Sie wohl wissen.“
„Ich muß gar nichts wissen,“ belehrte ihn der Ältere. „Der einzelne weiß nichts und kann nichts. Wenn ich auch auf meinen Schultern noch immer meinen alten Feuerkopf trage. Aber das Große wie das Kleine vollzieht sich doch immer nach den unumstößlichen wissenschaftlichen Gesetzen, auf denen unsere Partei ruht.“
„Ruht,“ wiederholte Balrich.
„Alles vollzieht sich historisch,“ beteuerte nochmals der erfahrene Genosse. „Tun muß man nichts. Der Kapitalismus wirkt sich auch nur aus.“