Der Arbeiter erriet beiläufig. Er sprach nicht mehr zu dem Armseligen neben ihm, zu sich selbst sprach er:

„Wir müssen wollen und müssen glauben, an uns und an alle. Wir haben doch Seelen, wir wissen doch von dem Guten, Menschen sind wir doch. Damit allein sind wir schon stärker als das Geld.“

Der alte Politiker schielte ihn an, höhnisch aus gelben Augenwinkeln. Dann seufzte er, denn dunkle Erinnerungen kamen ihm, an den jugendlichen Luxus der Gefühle. In seiner Jugend, ihm war es, nicht er nur, alle hätten damals so gefühlt und hätten geglaubt — Unsinn wohl, aber man glaubte . . . Ein ganzes Stück ging er beschämt, in ungewissen Gedanken an die gealterte Partei und an ein nicht genütztes Leben.

Dann klopfte er dem jungen Menschen auf die Schulter und prophezeite ihm trotz allem eine schöne Karriere. Zu seinem Erstaunen stieß aber Balrich seine Hand fort und schrie ihn an. Denn auch Balrich schämte sich, er fühlte: „Ich habe schon zu viel gelesen. Ich laß mir Redensarten vormachen wie ein Bourgeois.“

„Was geht das Sie an,“ schrie er, „was man für sich redet. Sie spionieren hier nur. Sollen Sie also wissen, was wir hier denken!“

Von seiner Wut überwältigt:

„Alles herausgeben muß die Bande! bis jeder von ihnen sich selbst mit seinem Rasiermesser —“

Er sah sich um, der Abgeordnete war nicht mehr da . . . Zur Besinnung gelangt, schlug Balrich den Weg nach der Fabrik ein.

Eine Untersuchung durch die Sanitätspolizei, wußten sie dort, stehe bevor. Viele versprachen sich Unannehmlichkeiten davon für Heßling und sahen ihr gern entgegen. Nach einigen Tagen, schon früh morgens, hieß es „antreten“; der Medizinalrat war da. Die Einrichtungen, dies ward bald klar, konnte er nicht genug loben, mehr als entzückt war er von den Waschgelegenheiten. Dem Oberinspektor Herrn — bitte?

„Wachsmut, Herr Medizinalrat.“