„Alle wie Papa“, sagte Cesira und wendete sich um. Hinter ihnen hielt ihre Mutter das schmutzig graue Haupt gesenkt und schlief wohl schon wieder.
„Mit solchen Weibern machen sie die Familien unglücklich, die Frau wird aussehen wie Mama, und wir verheiraten uns nicht.“
„Ich habe es satt, mich zu verheiraten“, sagte die entlobte Rosina. Da ging die Logentüre, und der alte Giocondi schwenkte seinen lustigen kleinen Bauch herein. Die Augen funkelten ihm.
„Alles geht gut“, rief er und machte mit der Hand einen freigebigen Bogen. „Sie holen Pipistrelli vom Glockenturm herunter. Ihr sollt Gefrorenes haben, und wollt ihr einen Marsala? Ah, Mädels, küßt mich, erst seit gestern habt ihr euren Papa zurück.“
„Ich wußte, du würdest kommen: Blut ist dicker als Wasser“, jubelte Cesira und wiegte sich in seinem Arm. Die entlobte Rosina, die er in ihrer Schande unbeachtet ließ, sah weg und dachte: „Da läßt die Gans sich streicheln und schreit! Als ob man davon eine Mitgift bekäme! Was die Versicherungsgesellschaft dem Papa gibt, dient ihm auf den Geschäftsreisen zu seinem Vergnügen; Mama und wir müssen uns mit Pensionären durchbringen; und hat man endlich einen kleinen Beamten zum Heiraten, dann reißt er nach dreijährigem Warten wieder aus, weil Papa nie etwas für die Einrichtung zurücklegt . . .“
„He, Zecchini, wie steht es?“ rief ihr Vater ins Parterre. „Er läutet also immer noch?“
„Der Advokat fordert ihn gerade zum letztenmal auf: dann dringt die Macht in den Turm!“ — und der alte Schenkenheld stieß mit seinem Bauch alle beiseite, um wieder hinauszugelangen. Andere kehrten mit Botschaften zurück, die sie in die Logen riefen. Die Frommen hielten den Glockenturm umringt, aber der Advokat hatte sie in die Flucht getrieben! Die Nonnen, deren weiße Flügelhauben aus den Fenstern des Klosters sahen, hatte er gezwungen, sich zurückzuziehen, weil ihr Anblick zum Aufruhr reize! Von draußen kam Siegesgeschrei, dann das stille hastige Geraschel einer Menge, die zurückweicht, und wieder Lärm triumphierenden Volkes. Da stieg vom Parterre zur Galerie rauschend ein „Ah!“
„Es hat aufgehört! Bravo! Nieder mit den Priestern!“
Jemand rief:
„Es lebe der Advokat!“