„Aber der Mittelstand wird gefährlich!“ sagte Frau Camuzzi zum Baron Torroni.

Denn der Bäcker Crepalini fuhr fort zu agitieren. Man sah ihn mit seinen herausquellenden Augen und seinem furchtbaren Gebiß im Parterre sich abarbeiten, die Leute um sich her zusammenziehen und unter wütenden Schlägen in die Luft, Aufruhr bei ihnen stiften.

„Warum steht Ihr hier unten und laßt Euch stoßen, Gevatter Felipe? Ihr wißt es nicht. Dann fragt also den Malandrini. Er ist der Wirt „zum Mond“, Ihr seid der Wirt „zu den Verlobten“; eine Loge aber ist nur für ihn da. Versteht sich, denn seine Frau ist eine Schwester der Frau Polli, und der Tabakhändler ist ein Onkel des Doktors Capitani, dessen Frau eine Großnichte des Bürgermeisters ist!“

„Die Herren halten zusammen“, sagte der Schlosser Fantapiè, der mit dem Schlosser Scarpetta von der Galerie herabgestiegen war; „und der einzige, der dem Volk helfen kann, ist Don Taddeo.“

Der Schuhmacher Malagodi bekam einen roten Kopf.

„Man kann sagen, daß wir im Nepotismus umkommen. Warum bin ich nicht Gemeinderat geworden? Weil die Elena, mein Lehrmädchen, sich geweigert hat, zu tun, was der Severino Salvatori von ihr verlangte. Die Herren machen Ansprüche . . .“

„Die Herren!“ schnaubte der Bäcker, und der dicke Nußknackerkopf wackelte vor Zorn auf seinen engen Schultern. „Wenn es noch Herren wären! Aber seht nur jenen Giocondi an, der nun die zweite Frau zugrunde gerichtet hat und als Versicherungsagent umherzieht: wer ist mehr Herr, er oder ich, der fünftgrößte Steuerzahler der Stadt? Aber weil seine erste Frau eine Pastecaldi und Schwägerin der Schwester des Advokaten Belotti war, hat die Loge der Giocondi, nicht ich. Und da eine übrig ist, läßt man sie lieber leerstehen, als daß man sie einem Manne wie mir gibt.“

„Die Herausforderung gilt mir“ — und der alte Schenkenheld Zecchini schob seinen Bauch in den Haufen. „Denn wenn man eine Loge bekommt, weil man Bankerott gemacht hat, muß auch ich eine bekommen.“

„Was denn? Welche Loge?“ polterte Galileo Belotti. „Wißt ihr denn nicht, daß jene leere Loge dem Advokaten gehört? Denn sonst hätte er nur die unserer Schwester, die der Jole Capitani und die Klubloge, und ihr begreift wohl, daß ein Mann von seiner Wichtigkeit eine vierte nötig hat.“

Der junge Savezzo schien unabsichtlich in den Haufen geraten.