„Was tut das mir“, sagte er zwischen den Zähnen.
„Wie? Haben Sie denn kein Herz? Verstehen Sie nicht, daß Alba gerettet werden muß und daß Sie sie retten müssen?“
„Ich bin nicht Jesus Christus, den sie heiraten soll.“
„O, mein Herr, Sie lästern . . . Aber wir können es nicht verantworten, ihren Großvater aufzuklären: es wäre gefährlich für den armen Alten; und Alba zu warnen, ist unnütz, denn muß sie nicht wahnsinnig sein, wenn sie handelte, wie sie handelte? Kein Mittel bleibt, als den Komödianten zu beseitigen.“
Sie fühlte, wie der Mann neben ihr mit dem Kopf zuckte, und sie flüsterte rasch:
„O! mit leichter Hand, ohne Gefahr für sein Leben.“
Darauf schwiegen sie und verlangsamten den Schritt, denn unter ihnen war der Advokat stehen geblieben. Er wandte Brust und Handfläche seinem Gegner zu.
„Ich verstehe Sie nicht mehr, Camuzzi, — obwohl ich gewohnt bin, daß Sie unglaubliche Dinge sagen. Unsere Aufführung war also mittelmäßig und kleinstädtisch? Gut. Orchester und Chöre schlecht diszipliniert, die Sänger teils zu jung, teils zu alt? Gut. Und die ‚Arme Tonietta‘ des Maestro Viviani, dieses Meisterwerk, das dem Genius unserer Rasse die Welt unterworfen hat, es soll wenig wert sein, Jahrmarktsmusik und Operette? Auch das sei wahr. Aber nun sagen Sie mir eins: wo bleibt, wenn wir uns nicht rühren, der Verkehr unserer Stadt, die geistige Wachheit, der Fortschritt?“
Mit erhobener Stirn und offenem Munde erwartete der Advokat die Antwort. Der andere feixte lautlos.
„Fragen Sie lieber: wo bleibt die Befriedigung des Ehrgeizes einzelner?“