Der berühmte Tenor legte ihm die Hand auf den Arm.
„Sie sind ein guter junger Mann, Dorlenghi; Sie haben Mitleid mit mir. Glauben Sie aber nicht, daß ich zu jeder Stunde in Unwissenheit darüber bin, wie es mit mir steht! Morgen werde ich zweifellos mich dieser Worte nicht mehr erinnern und wieder auftreten. Was kann man tun.“
Der Kapellmeister sah auf seine Knie; er wagte nicht zu atmen. Der Cavaliere Giordano hob mehrmals die Schultern; dann griff er nach seinem Glas. Als es leer war, richtete er sich auf und lachte gewaltsam.
„Ich rede Dummheiten: Sie werden es bemerkt haben, Maestro, und sie hoffentlich vergessen. Wie Sie selbst wissen, hat man schlechte Abende, und ich hatte sie schon vor dreißig Jahren. Was beweist das? Und selbst wenn man sich eine Zeitlang zum Singen nicht disponiert fühlt, bleibt man darum etwa nicht Mann? Gewisse Frauenblicke geben mir zu verstehen, daß ich noch heute einem Jüngeren gefährlich werden könnte. Sie machen große Augen, Maestro: Sie haben Grund dazu.“
„Was für eine Frechheit!“ schrie der Apotheker mit einem mächtigen Schlag zwischen die Gläser. „Dieser Bauernlümmel untersteht sich, das Fräulein Italia auf den Hals zu küssen!“
„Was denn, Bauernlümmel!“ keifte Galileo Belotti und trat ihm watschelnd entgegen. „Versteht sich, wir sind weder Gecken noch Schwätzer, aber wir haben Fäuste, wir!“
Seine ländlichen Freunde bestätigten dies.
„Wir werden sehen!“ rief der Apotheker und stapfte auf seinem Holzbein der feindlichen Schlachtreihe entgegen . . .
Der Cavaliere Giordano kicherte.
„Sie sollten sich hüten, Maestro. Ihre kleine Rina: ich bin ihr in diesen Tagen öfter begegnet, und es ist nicht sicher —. Sie hat mir gestanden, daß Sie sie vernachlässigen, und versteht sich, daß ich mich daran gemacht habe, sie zu trösten. Das Kind ist schüchtern; dennoch scheint es, daß die Liebe zu mir im Werden ist; und wenn nun Sie, Dorlenghi —“