Sie warf die Lippe auf.
„Ich freue mich, wenn ich es sehe. Ich selbst verlange nicht darum Achtung, weil ich eine Frau bin, und ich hasse die Weiber.“
„Aber es war gefährlich! Jene Bauern tragen Messer!“
„Warum haben sie sie nicht gezogen? Wie unterhaltend es gewesen wäre! Wozu nützen alle diese Leute! Was können sie? Sie hätten einander einmal stechen sollen, das wäre das beste gewesen, was sie je getan hätten.“
Die Mienen des Advokaten, des Tabakhändlers und des Herrn Giocondi trugen entsetzte Mißbilligung. Gleichzeitig rafften alle drei sich zurecht, griffen nach den Gläsern und stießen sie auf dem Tisch zusammen.
„Auf die Gesundheit!“ sagten sie kräftig.
Während sie tranken, erlosch die Bogenlampe; — und plötzlich, wie aus dem Schatten geboren, stand auf dem leeren Platz inmitten des seltsam scharfen Geplätschers vom Brunnen ein kleiner Uralter und zog mit einer klapprigen Verbeugung seinen randlosen Hut von fern vor dem Cavaliere Giordano — und dann noch einmal vor Flora Garlinda. In einem wankenden Tänzeln näherte er sich; sein winziges Gesicht lächelte aus allen Runzeln, die glanzlosen Augen versuchten eine stumpfe Schelmerei; — und wie er beim Tisch anlangte, legte er die Hand aufs Herz und öffnete, ohne daß ein Laut entstand, einen weiten, dunklen Mund, der das Gesicht zu verschlingen schien. Der Advokat bemerkte, wie die Primadonna zurückschrak, und wendete sich um.
„Ah! da ist Brabrà. Keine Furcht: es ist ein harmloser Verrückter, seit dreißig Jahren ernährt ihn der Herr Nardini in Villascura. Man hat nie erfahren, wie er zu uns geraten ist. Sage den Herrschaften deinen Namen, Brabrà! Denn Sie müssen wissen, daß dies der einzige Laut ist, den er je von sich gibt. Sage Brabrà!“
Statt dessen kam aus dem gereckten Hals, woran lange, schlaffe Sehnenstränge schaukelten, ein feiner Fistelton: ein Ton, wie von einem Kinde, das schwärmt und singen möchte.
„Was fällt ihm ein“, sagte der Advokat. „So hat er noch nie getan. Was will er?“