„Immer die großen Worte“, murmelte der Gemeindesekretär. „Wer weiß, auf welcher Seite hier die Freiheit ist. Freiheit ist nicht dasselbe wie Zügellosigkeit.“
„Beabsichtigen Sie eine persönliche Anspielung, Herr Camuzzi?“ fragte der Advokat. „Dann erfahren Sie, daß ich mich eines Lebens, das frei von Heuchelei ist, nicht schäme. Ich weiß mich einer ruhmreichen Tradition verbunden. Offenbar ist Ihnen unbekannt, mein Herr, von welchen Müttern wir stammen. An der Stelle unserer Stadt hat ein Heiligtum der Venus gestanden, mein Herr.“
„Nun, es ist abgebrochen,“ — und der Sekretär zuckte die Achseln.
„Freuen Sie sich darüber mit Ihrem Don Taddeo, diesem Demagogen im Priesterkleid. Hat er nicht heute früh in seiner Predigt dem Volk angeraten, wenn die Mächtigen sich der Wollust ergeben, solle es sie niederreißen? Ich weiß wohl, welche Mächtigen gemeint sind —“
Der Advokat wies sich auf die Brust.
„— und Ihr Don Taddeo soll bei dieser Gelegenheit erst merken, was Macht heißt!“
Er schwenkte eine Zeitung. Der Tabakhändler kratzte sich den Kopf.
„Sehr gut. Aber inzwischen sind wir wenige, — und der Mittelstand läßt ganze Regimenter aufmarschieren. Man muß unsere Freunde holen. Auch werde ich meinen Olindo suchen. Wenn er sonst nichts taugt, hat er doch Fäuste.“
Der Stadtzolleinnehmer erklärte, ebenfalls werben zu wollen und betrat die Apotheke. Der alte Acquistapace stapfte heraus; er stieß mit dem Stößel seines Mörsers um sich.
„Romolo!“ rief es schrill von oben.