„Ich verschmähe sie. Nur Athene: sie, vielleicht, habe ich schon auf meiner Schwelle erblickt. Aber sie war — beruhige dich! — hart und schwer bekleidet, und die geraden Falten um sie her schaukelten nicht einmal.“

„Liebst du denn ein sterbliches Mädchen?“ fragte ich und lachte.

„Ich liebe nur meinen Herrn.“

„Wie? Ein Sklave wärest du?“

„Du meinst wohl, ich wünschte mir’s anders? Ein Künstler bin ich, geehrt und gut bezahlt. Was habt ihr Freien? Ihr frohndet dennoch meinem Herrn, — der mich nährt und liebt. . . . Da bist du, Crassus!“ rief er. „Freund!“ Und er und der Jüngling, der aus der Laube trat, breiteten beide die Arme aus. Der andere war ein Brauner, Hagerer, mit einem Lorbeerkranz über der Stirn. Er zeigte auf mich.

„Sie hat,“ erklärte ihm Timander, „einen Krug von mir gekauft und mir ihr Bild dafür gelassen.“ Dann gingen sie beide begierig um das Bild herum, eine lange Weile; und ich stand und dachte beklommen, wie ich entkomme. Wie in einen Brand war ich einst auf diese Wiese gestürzt; und nun war der Himmel erloschen und die Luft so matt.

„Dürstet dich nicht, Freund?“ sagte Timander. „Mir hat die Arbeit Durst gemacht. Nimm, Mnais, deinen Krug, geh’ hinein und mische uns Wein!“

Ich brachte ihnen den Trunk; mir war’s, wie wenn die Mutter mich hart gescholten hätte. Demütig blieb ich stehen.

„Sieh doch,“ sagte sein Freund, „sie hat eine Flöte am Halse hängen: eine Hirtenflöte. Befiehl ihr doch, daß sie uns ein Lied spielt.“

„Spiele,“ sagte gleichgiltig Timander und streckte sich aus. Ich spielte, indeß sie plauderten und sich kühlten, bis sie im Eifer ihres Lachens einander die Arme um die Schultern legten: da schlich ich mich, immer noch spielend, in die Laube und, kaum ihren Blicken entrückt, rannte ich, von Angst brennend, durch den Garten, aus dem die Götter fort waren, und hinaus, hinweg, wo irgend ein Versteck wäre.