Wie sie dann die Zeit hingehn sah, sich langweilte und das bare Geld vermißte, überlegte sie, daß es doch zu dumm sei, die Sache einfach so in die Brüche gehn zu lassen. Der Alte schämte sich am Ende bloß, schmollte und wartete, daß sie ihm 'n kleinen Finger hinhielt. Konnte gemacht werden. Er war ja 'n altes Kind, 'n bißchen komisch eigensinnig. Sie dachte daran, wie er den Kapitän aus der Garderobe hinausgesetzt hatte, und es deswegen sogar mit Kiepert aufgenommen hatte; und sie lachte. Gleich nachher aber bekam sie wieder die starren, sinnenden Augen, mit denen sie Unrat manchmal betrachtet hatte. Eifersüchtig war er, das mußte wahr sein; und es gab ihr Hochachtung ein. Vielleicht saß er nun und giftete sich und war ihr spinneböse und konnte vor Galle nicht Mittag essen. So was war ja schrecklich. Ihr gutes Herz bewegte sich. Und nicht nur ihres Vorteils wegen, nein, auch aus Mitleid und auch aus Hochachtung machte sie sich auf den Weg.
»Wir haben uns ja lange nich gesehn,« sagte sie, schüchtern und spöttisch.
»Das hat denn auch seine Gründe,« brachte Unrat hervor. »Ich war – immer mal wieder – beschäftigt.«
»Ach so. Und womit denn?«
»Mit meiner Entlassung aus dem Lehrkörper des hiesigen Gymnasiums.«
»Ich verstehe. Das hab' ich als Vorwurf aufzufassen.«
»Du bist gerechtfertigt. Ist doch auch der Schüler Kieselack entfernt worden und der dem Gebildeten offen stehenden Laufbahnen für immer verlustig gegangen.«
»Der Ekel, dem gönn' ich es.«
»Von diesem Geschick ist es nun freilich zu wünschen, daß es zahlreiche andere Schüler ereile.«